19.10.2013 | Irreführende Werbung

Eine „Winzerschorle“ muss nicht vom Winzer hergestellt werden

In vino veritas - im Weinschorle auch
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Das OVG Koblenz hob ein Verbot gegen ein Einzelhandelsunternehmen auf, welches sogenannte „Winzerschorle“ vertrieben hatte. Die europarechtlichen Bestimmungen zur Angabe „Winzer“ gelten nur für Wein, jedoch nicht für weinhaltige Getränke wie dem Weinschorle, so das Gericht.

In vino veritas: „Im Wein liegt die Wahrheit“. Doch auch ein Weinschorle soll nicht lügen. Das Land Rheinland-Pfalz hatte einem Lebensmitteldiscounter den Vertrieb eines „Winzerschorle“ verboten, weil es die Bezeichnung nicht wahrheitsgetreu, sondern den Verbraucher irreführend fand.

„Winzerschorle“ - Irreführung des Verbrauchers ?

Die Weinschorle wurde mit zugekauftem Wein einer Weinkellerei und eigenem Mineralwasser hergestellt. Nach Ansicht des Landes Rheinland-Pfalz sei die Bezeichnung für den Verbraucher irreführend, da die Angabe „Winzer“ nach europarechtlichen Regelungen nur für solchen Wein verwendet werden dürfe, welcher ausschließlich von Trauben aus dem eigenen Winzerbetrieb stamme und in diesem vollständig hergestellt wurde.

Die Gerichte sahen das nicht so eng. Die Klage gegen das Verkaufsverbot war in erster Instanz erfolgreich und wurde nun auch vom OVG Koblenz bestätigt.

Winzer = Hersteller von Wein, nicht von Weinschorle

Zwar sei es richtig, dass die Angabe „Winzer“ bei Wein nach europarechtlichen Vorgaben Eigenerzeugnissen vorbehalten sei. Dies gelte jedoch nicht für weinhaltige Mischgetränke wie dem Weinschorle. Zudem erwecke der Begriff des „Winzerschorle“ beim verständigen Verbraucher nicht die Vorstellung, dass ein bestimmter Winzer die Weinschorle hergestellt habe, da das Herstellen und Abfüllen eines Weinschorle nicht zu den Tätigkeiten eines Winzers gehöre. 

„Winzerschorle“ vergleichbar mit dem „Bauernbrot“

Vielmehr könne das „Winzerschorle“ mit der allgemeinen Produktbezeichnung „Bauernbrot“ verglichen werden. Etwas anderes gelte jedoch für den „Winzersekt“. Hier erwarte der Verbraucher, dass es sich um eine Eigenerzeugnis des Winzers handle.

(OVG Koblenz, Urteil v. 11.09.2013, 8 A 10219/13.OVG).

Schlagworte zum Thema:  Verbraucherschutz

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