15.03.2012 | Wirtschaftsrecht

eBay: Schnäppchenpreis kann Anbieter nicht durch Abbruch der Auktion verhindern

Der Anbieter kann bei einer Auktion im Internet den Verkauf einer Ware nicht durch frühzeitigen Abbruch der Versteigerung verhindern. Statt dessen kommt dann ein Vertrag mit dem Höchstbietendem zustande kommt, auch wenn durch das vorzeitige Aktionsende die Sache weit unter dem Wert ersteigert wird.

Eine eBay-Auktion birgt Risiken, auch für den Anbieter, gerade der vorzeitige Abbruch von eBay-Auktionen ist immer wieder ein Streitpunkt und für den Anbieter leicht ein "Eigentor": Mit dem vorzeitigen Abbruch einer Internetauktion kann sich der Anbieter einer Ware nicht vor einem möglichen Zuschlag zu einem deutlich unter dem eigentlichen Wert liegenden Preis schützen.

 

Kaufvertrag bleibt wirksam

Es ging im Urteilsfall um eine eBay-Auktion, bei der die Beklagte einen Wohnwagen zum Startpreis von 1 EUR angeboten hatte.

  • Nach nur 2 Tagen brach sie die Auktion jedoch ab, weil ihr Lebensgefährte den Wohnwagen auf anderem Weg verkaufen wollte.
  • Der zum Zeitpunkt des Abbruchs Höchstbietende wollte dies jedoch nicht gelten lassen.

Er bestand auf der Herausgabe des Wohnwagens zum von ihm gebotenen Höchstpreis in Höhe von 56 EUR, was die Beklagte jedoch ablehnte.

 

Urteil der Vorinstanz bestätigt: Her mit dem Wohnwagen für 56 €

Bereits in der ersten Instanz hatte das Amtsgericht Detmold entschieden, dass der Wohnwagen zu dem Gebotspreis herausgegeben werden müsse, da sich der Anbieter bei einer Internetauktion grundsätzlich damit einverstanden erklärt, das höchste wirksame Kaufangebot zu akzeptieren.

Auch die Richter des Landgerichts sahen dies so und wiesen darauf hin, dass es dem Wesen einer Auktion widerspräche, wenn der Kauf nur dann zustande käme, wenn tatsächlich ein angemessener Preis erzielt werde.                  

(LG Detmold, Urteil v. 22.02.2012, 10 S 163/11).

 

Hintergrund: Abbruch der Auktion nur bei Verlust der Ware

Ein ähnliches Urteil hatte bereits vor einigen Jahren das Landgericht Coburg gefällt, das selbst in einem Irrtum bei der Preisangabe keinen Grund zum Abbruch einer bereits laufenden Auktion sah. Nach einem BGH-Urteil (v. 8. 6. 2011, VIII ZR 305/10), kann ein Abbruch jedoch dann zulässig sein, wenn die angebotene Ware während der laufenden Auktion verlorengeht.

 

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