| VGH Mannheim

Einordnung eines Bundesligamanagerspiels als erlaubnispflichtiges Glücksspiel

Bild: Haufe Online Redaktion

Für die Frage, ob ein Bundesligamanagerspiel als erlaubnispflichtiges Glücksspiel einzuordnen ist, komme es entscheidend auf die Frage an, ob die Teilnehmer ein Entgelt zu entrichten haben und der mögliche Gewinn aus diesem Entgelt resultiert. Wenn das Entgelt hingegen lediglich der Kostendeckung dient, liegt kein erlaubnispflichtiges Glücksspiel vor.

Hintergrund

Der Veranstalter eines Bundesligamanagerspiels klagte gegen eine Verfügung des Regierungspräsidiums Karlsruhe, nach der die Durchführung des Spiels im Internet untersagt wurde. Bei dem Spiel konnten die Teilnehmer fiktive Mannschaften aus real existierenden Spielern der 1. Fußball-Bundesliga zusammenstellen, die an jedem Spieltag nach bestimmten Kriterien bewertet wurden. Für die Teilnahme an dem Spiel musste eine Gebühr von 7,99 Euro entrichtet werden. An die bestplatzierten Teilnehmer wurden erhebliche Gewinne ausgeschüttet. Diese wurden in Form von Sach- und Geldpreisen von Sponsoren zur Verfügung gestellt.    

Das Urteil des VGH Mannheim vom 23.5.2012, Az.: 6 S 389/11

Nach der Auffassung des VGH Mannheim war alleine die Frage entscheidend, ob es sich bei der Gebühr von 7,99 Euro um ein Entgelt handelt, aus dem die Gewinnchance eines Teilnehmers erwächst (gemeinhin als „Einsatz“ bezeichnet). Dies war nach Einschätzung der Mannheimer Richter nicht der Fall. Die Teilnahmegebühr diene alleine der Kostendeckung und sei - anders als ein Einsatz – immer verloren. Die Gewinne seien hingegen im Vorfeld bereits angekündigt und durch die Zusage der Sponsoren auch unabhängig davon, wie viele Spieler letztlich teilnehmen. Es gäbe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Teilnahmegebühr in irgendeiner Form in die Gewinne einfließe.

Anmerkung

Das Urteil ist bereits deshalb überraschend, da mehrere andere deutsche Verwaltungsgerichte die gleiche Frage anders entschieden hatten. Der VGH Mannheim hat dementsprechend auch die Revision zum Bundesverwaltungsgericht zugelassen.

Da das Gericht die Erlaubnispflicht des Spiels bereits an der Frage des Einsatzes scheitern ließ, musste keine Entscheidung über die Abgrenzung zwischen einem Glücks- und einem Geschicklichkeitsspiel getroffen werden. Der VGH Mannheim deutete aber an, in diesem Punkt zu der Rechtsprechung der übrigen Gerichte zu tendieren. Demnach hänge bei einem solchen Managerspiel der Erfolg eines Mitspielers im Wesentlichen vom Zufall ab, womit die Annahme eines Glücksspiels nahe liegt. Erlaubnispflichtig sind solche Spiele somit immer dann, wenn der Einsatz an die Spieler ausgeschüttet wird.

Dies gilt nicht nur für Managerspiele, sondern entsprechend auch für die – auch unter Arbeitskollegen – besonders beliebten Tippspiele. Das Urteil des VGH Mannheim verdeutlicht noch einmal, dass hier Vorsicht geboten ist. Wenn aus den Einsätzen ein „Pott“ gebildet wird, bewegen sich solche Spiele gefährlich nahe am verbotenen Glücksspiel. Ob hierfür eine Erlaubnis erforderlich ist und die Veranstaltung und Teilnahme unter Umständen sogar strafbar ist, hängt dann maßgeblich an der Auswahl der Teilnehmer und der Frage, ob das Spiel „öffentlich“ veranstaltet wird. Die Gefahr für eine solche Einordnung steigt nicht nur mit der Größe des Teilnehmerkreises, sondern auch mit der Regelmäßigkeit der Spielveranstaltung. Für die Tipprunde im engsten Familien- oder Freundeskreis besteht jedoch kein Risiko, da diese nicht öffentlich veranstaltet wird.

Rechtsanwälte Dr. Morton Douglas und Sebastian Hoegl, LL.M. (Wellington), Friedrich Graf von Westphalen & Partner, Freiburg

Schlagworte zum Thema:  Glücksspiel, Managerspiele

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