12.02.2011 | allg. Zivilrecht

Unfall mit Radfahrer: Kein Schmerzensgeld bei unfallunabhängiger Vorerkrankung

Bild: Haufe Online Redaktion

Bitter - wenn das Gericht einem Radler zwar bescheinigt, nicht er, sondern die mit ihm kollidierende Autofahrerin habe einen Unfall verursacht und es trotzdem statt eines üppigen Schmerzensgeldes vergleichsweise nur ein Taschengeld gibt: „Mutter Natur“ oder vielleicht doch Beweisschwierigkeiten machen diese Enttäuschung möglich.

In der Tankstellenzufahrt kam es zum Zusammenstoß

Der Kläger war mit seinem Fahrrad auf einem Radweg unterwegs, der eine Tankstellenzufahrt kreuzte. Die beklagte Autofahrerin wollte in das Tankstellengelände einbiegen, musste aber anhalten, da der Verkehr vor ihr stockte.

In diesem Moment kam es zur Kollision mit dem Radler. Anschließend musste der Kläger in einem Zeitraum von knapp drei Jahren wegen einer Kniegelenksverletzung mehrmals stationär behandelt werden.

 

Versicherung: Unfall war nicht Ursache für Knieverletzung

Der Kläger behauptete, die PKW-Fahrerin habe den Radweg schon vor dem Zusammenstoß fast komplett blockiert. Es sei ihm daher unmöglich gewesen, den Unfall durch Ausweichen zu vermeiden. Sowohl die Beklagte als auch der Versicherer gingen jedoch von einer erheblichen Mitschuld des Klägers aus. Des Weiteren habe sich im Rahmen der Krankenhausbehandlung gezeigt, dass eine unfallunabhängige, degenerative Vorerkrankung des Knies vorgelegen habe.

 

Hohe Schmerzensgeldforderung des Klägers

Wegen der vier Operationen, den Gehproblemen und dem Dauerschaden am Knie verklagte der Radfahrer die Beklagte bzw. deren Versicherung zu einem Schmerzensgeld von 20.000 Euro sowie zur Zahlung von 10.000 Euro Schadenersatz für einen Haushaltsführungsschaden und Fahrtkosten.

 

Gericht: Autofahrerin trägt Alleinschuld

Das Gericht gab der Klage lediglich in Höhe von 2.150 Euro statt. Es war wie der Radler der Überzeugung, dass die Beklagte die alleinige Verantwortung am Unfall trug. Sie hätte sich beim Einfahren gem. § 9 Abs. 5 StVO so verhalten müssen, dass sie andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet. Dass der Radfahrer tatsächlich hätte anhalten oder ausweichen können, konnte sie nicht nachweisen.

 

Vorerkrankung schwerwiegender als Unfallverletzung

Insgesamt drei Sachverständige führten jedoch aus, dass unmittelbar nach dem Unfall im Kernspintomographen keine Knieverletzung festgestellt wurde. Es sei bei einer notwendigen Operation zwar Knieprobleme mitbehandelt worden, welche aber nicht vom Unfall herrührten. Daher wurden dem Kläger für die erlittenen Prellungen, welche keine länger andauernden Beschwerden verursachten, ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro, für die unfallbedingten finanziellen Schäden gerade noch 150 Euro zugesprochen.

(LG Coburg, Urteil v. 30.04.2010, 13 O 214/07). 

Aktuell

Meistgelesen