| Radunfall

Fahrradunfall ohne Helm - selbst Schuld?

Nie ohne Helm - Mitverschulden für helmlose Fahrradfahrer?
Bild: Haufe Online Redaktion

Gibt es mittlerweile eine Helmpflicht für sportliche Radfahrer? Trifft einen Radfahrer ohne Helm auch im Falle eines unverschuldeten Unfalls ein Mitverschulden? Mit diesen umstrittenen Fragen hat sich das OLG Celle auseinandergesetzt.

Muss ein Radfahrer, der sportlich unterwegs ist, erhöhte Sicherheitsvorkehrungen treffen und einen Helm tragen? Das Landgericht Verden hat das so gesehen. Es sah bei einem Fahrradfahrer, der ohne Helm unterwegs gewesen war und mit einem anderen Fahrradfahrer kollidierte, ein Mitverschulden von 20 Prozent und kürzte den Anspruch auf Schmerzensgeld dementsprechend.

Landgericht sieht Mitverschulden

Der Fahrer war zu Trainingszwecken mit einem Sportrad auf einer abschüssigen Straße unterwegs, mit einer Geschwindigkeit von 25 bis 30 Stundenkilometern. Begründung des Gerichts: Das Nichttragen eines Schutzhelms sei ursächlich für das Ausmaß der erlittenen Kopfverletzungen gewesen.

Durch das Tragen eines Helmes wären die Verletzungen voraussichtlich zwar nicht verhindert worden. Sie wären in ihrem Umfang aber vermutlich wesentlich geringer ausgefallen. Dass es keine gesetzliche Pflicht zum Tragen eines Helmes gebe, sahen die Richter nicht als Hinderungsgrund für ihre Einschätzung.

Verletzung der Sorgfaltspflicht?

Auch bei anderen sportlichen Betätigungen wie Skifahren oder Reiten gehe die Rechtsprechung von einer Verletzung der Sorgfaltspflicht aus, wenn kein Helm getragen werde.

Das OLG Celle schloss sich dieser Einschätzung nicht an. Die sportliche Ambition eines Radfahrers reiche nach überwiegender Ansicht nicht dafür aus, dass er einen Helm tragen müsse. Dies gelte insbesondere dann, wenn der Radfahrer nichts anderes tue als ein „gewöhnlicher“ Fahrradfahrer auch.

OLG: Kein Unterlassen von Sicherheitsvorkehrungen

Zum Unfall sei es gekommen, weil die beklagte Radfahrerin links in ein Grundstück abbiegen wollte, ohne zurückzuschauen. Ein Mitverschulden des Klägers sei nicht zu erkennen, auch nicht aus dem Unterlassen von Sicherheitsvorkehrungen wie dem Tragen eines Helms.

(OLG Celle, Urteil v. 12.02.2014, 14 U 113/13).

Hintergrund: Es handelt sich bei der Helmpflicht für Fahrradfahrer um ein viel und kontrovers diskutiertes Dauerthema. Vgl. dazu auch unser Top-Thema.

Schlagworte zum Thema:  Fahrradfahrer, Helmpflicht

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