07.07.2015 | Schadensersatz

Beweislast bei Schäden durch Steinschlag vom voraus fahrenden Kieslaster

Wenn ein LKW Fracht verliert, haben nachfahrende Autos nichts zu lachen. Auch die Beweislage kann schwierig sein
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Wer Schäden durch Steinschläge ersetzt bekommen möchte, muss dies zweifelsfrei beweisen können. Dazu gehört, die Schäden sofort von Sachverständigen feststellen zu lassen. Wer sich zu viel Zeit lässt, hat ganz schlechte Karten. Ist die Glaubwürdigkeit des geschädigten erst in Schieflage geraten, zeigen sich Gerichte zugeknöpft.

Steine und Splitter, die von einem vorausfahrenden Lasters herabfielen, sollen bei dem Fahrzeug des Klägers, der auf einer Landstraße hinter dem Lkw fuhr, die Frontpartie und das Dach seines Audis beschädigt haben.

7000 Euro Schaden durch Frachtverlust eines Kieslasters

Den entstandenen Schaden beziffert der Mann auf 7.000 Euro. Die Schadensersatzforderung setzte sich zusammen aus:

  • den geschätzten Reparaturkosten
  • dem Nutzungsausfall
  • den Kosten für den vom Kläger beauftragten Privatsachverständigen

Vor dem Landgericht Coburg landete der Fall, weil der Fahrer des Kiesellasters bestritt, dass die Schäden von seinem Lkw herrührten und seine Haftpflichtversicherung den Schaden nicht übernehmen wollte.

Zweifel am Gutachten des Privatsachverständigen

Tatsächlich gaben schon die Ergebnisse des vom Kläger beauftragten Privatsachverständigen Anlass zu Zweifeln. Der hatte nämlich erkannt, dass das Auto des Klägers sowohl neuere als auch ältere Steinschläge aufwies.

Das Gericht zog daraufhin einen gerichtlichen Sachverständigen hinzu. Ergebnis: Die vom Privatsachverständigen festgestellten Beschädigungen sind gerade nicht Ursache von Steinschlägen.

Ursachen der Schäden am Pkw teilweise unklar

Auch weitere Beschädigungen an dem Audi, von denen der Kläger behauptete, sie seien Folge herabfallender Steine des Lasters, hatten nach Einschätzung des gerichtlichen Gutachters andere Ursachen.

Geschwächte Glaubwürdigkeit des Klägers

Die Glaubwürdigkeit des Klägers litt zudem daran, dass er seinen Privatsachverständigen erst 14 Tage nach dem vermeintlichen Schaden zugezogen hatte. Bei einer derartigen zeitlichen Verzögerung lässt sich nach übereinstimmender Aussage beider Sachverständigen das Alter eines Steinschlags kaum noch bestimmen.

Zu viele Zweifel

Im Zweifel gegen den Kläger, lautete das Motto des Landgerichts. Es wies die Klage ab, weil der Mann die behaupteten Beschädigungen durch Steinschläge nicht zweifelsfrei erbringen konnte.

(Landgericht Coburg, Urteil v. 23.12.2014, 22 O 306/13).

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Schlagworte zum Thema:  Schadensersatz, Beweislast

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