Der Alternative Nobelpreis "Right Livelihood Award“ zeichnet Personen, Organisationen und Repräsentanten sozialer Bewegungen aus, die sich für Menschenrechte engagieren. Bild: MEV-Verlag GmbH, Germany

Der Alternative Nobelpreis der Stiftung „Right Livelihood Award“ (RLA), mit dem Menschen ausgezeichnet werden, die sich gegen Armut, Unterdrückung und Umweltzerstörung engagieren, genießt fast soviel Ansehen wie das Original – bei manchen sogar mehr. Für ihren Einsatz werden neben einer Journalistin diesmal zwei Menschenrechtsanwälte ausgezeichnet. Ein Umweltanwalt erhält einen Ehrenpreis.

Die mit dem Jakob von Uexküll gestifteten Preis der Stiftung „Right Livelihood Award“ Geehrten haben durch ihr Engagement in ihren Ländern eine enorme Außenwirkung für das konkrete Leben armer, benachteiligter und unterdrückter Menschen und für die Umwelt erzielt.

Mutige Menschenrechtsanwälte

Die äthiopische Rechtsanwältin Yetnebersh Nigussie sowie der indische Anwalt Colin Gonsalves werden für ihr Engagement als besonders mutige Menschenrechtsanwälte ausgezeichnet.

Die aserbaidschanische Journalistin Khadija Ismayilova erhält den Preis für ihre unerbittliche Recherche zur Aufdeckung von Korruption in ihrem Land. Der US-Anwalt Robert Bilott erhält für seine engagierte Tätigkeit als Umweltanwalt einen undotierten außerordentlichen Ehrenpreis.

Blinde Anwältin in Äthiopien - ein Stern der Hoffnung für Behinderte

Die geehrte äthiopische Anwältin Nigussie ist seit ihrem fünften Lebensjahr erblindet. Sie setzt sich nach Auffassung der Jury in vorbildlicher Weise furchtlos für die Rechte von Frauen und Mädchen in ihrem Heimatland ein und hat große Erfolge bei der Durchsetzung der Rechte behinderter Menschen, insbesondere auch im Rahmen inklusiver Erziehung erzielt. Sie hat das äthiopische Zentrum für Behinderte und Entwicklung gegründet, dessen Direktorin sie inzwischen ist. Sie sei ein

„Stern der Hoffnung für weltweit mehr als 1 Milliarde Menschen mit einer Behinderung“

– so die Jury.

Blinde sind in Äthiopien von Bankgeschäften ausgeschlossen

Nigussie führt in Äthiopien auch einen Kampf für die Gleichberechtigung der durch äthiopische Gesetze benachteiligten behinderten Menschen. So dürfen in Äthiopien Blinde kraft Gesetzes keine Bankgeschäfte betreiben. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass in Äthiopien inzwischen eine gesetzliche Regelung existiert, wonach sämtliche Neubauten barrierefrei für Behinderte geeignet sein müssen. Sie selbst unterhält eine Privatschule, in der Kinder mit Behinderung zusammen mit anderen Kindern inklusiv unterrichtet werden.

Netzwerk für Entrechtete

Der indische Anwalt Colin Gonsalves setzt sich seit über 30 Jahren für Menschen ein, die er als moderne indischen Sklavenarbeiter sieht, für Slumbewohner, für benachteiligte Frauen und Arme und vertritt diese notfalls auch ohne Honorar vor Gericht. Dem von ihm aufgebauten Netzwerk für Menschenrechtsfragen in Indien „HRLN“ gehören  inzwischen über 200 Anwälte an. Die Anwälte verteidigen Flüchtlinge, Insassen von Todeszellen, vergewaltigte Kinder, Hungernde, Frauen, die Opfer von Säureattacken wurden.

Indischer Anwalt setzte Recht auf Nahrung durch

Auf geradezu spektakuläre Weise hat Gonsalves beim indischen „Supreme Court“ ein Recht auf Nahrung („Right to food“) durchgesetzt.

Aufgrund dieses Urteils erhalten sämtliche Schulkinder und Studenten in Indien eine kostenlose Mahlzeit täglich. Darüber hinaus hat der Anwalt sich große Verdienste im Hinblick auf die Bekämpfung der im Nordosten Indiens weit verbreiteten Exekutionen durch das Militär ohne Gerichtsverfahren erworben. Gonsalves setzte vor Gericht die Aufhebung der strafrechtlichen Immunität von Armeeangehörigen durch, die bei ungesetzlich durchgeführten Exekutionen nun persönlich negative Folgen befürchten müssen.

Amerikanischer Anwalt kämpfte 20 Jahre gegen Chemie-Riesen

Der mit einem und dotierten Ehrenpreis ausgezeichnete amerikanische Rechtsanwalt Robert Bilott  ist Umweltanwalt.

  • In einem 19 Jahre dauernden Rechtsstreit hatte er 70.000 Bürger im amerikanischen Bundesstaat West Virginia vertreten.
  • Das Trinkwasser war dort durch den Chemiekonzern DuPont chemisch mit der unter Krebsverdacht stehenden Substanz Perfluoroctansäure verseucht.
  • Er setzte Entschädigungen für die Opfer durch. Seine Tätigkeit führte in den USA zu einer verbesserten Regulierung des Umgangs mit gefährlichen chemischen Stoffen.

Laut Jury hat er hierdurch ein Bewusstsein dafür geschaffen, wie dringlich weltweite Maßnahmen zum Schutz des in vielen Regionen knapper werdenden Trinkwassers sind.

Journalistin gegen Regierungsclan

Die aserbaidschanische Journalistin Khadija Ismayilova deckte Korruption in der autokratischen, von einem Familienclan geführten Regierung ihres Heimatlandes auf. Daneben fand sie heraus, dass westeuropäische Parlamentarier von der Familie des aserbaidschanischen Staatschefs bestochen worden waren, um auf diese Weise einen kritischen Bericht des Europarates über die Lage politischer Gefangener in Aserbaidschan zu verhindern.

Korruption in Aserbaidschan führt direkt nach Europa

Auf Grundlage der Recherchearbeit der Journalistin wird in Italien gegen den italienischen Abgeordneten Luca Volonte sowie in Schweden gegen den skandinavischen Konzern Telia Sonora ermittelt. Bei Letzterem geht es um eine nicht geklärte Überweisung von 600 Millionen Euro, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Teil an den in Aserbaidschan regierenden Familieclan geflossen sind, möglicherweise in Zusammenhang mit dem Kauf einer Telefongesellschaft.

Die Journalistin wurde durch Terror und durch Verbreitung in unrechtmäßiger Weise aufgenommener intimer Fotos in ihrer Arbeit stark behindert und unter Druck gesetzt. 2014 wurde sie verhaftet und zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Durch internationale Proteste konnte allerdings ihre Freilassung im Jahre 2016 erreicht werden.

Alternativer Nobelpreis für Menschen ohne Lobby

Der alternative Nobelpreis genießt weltweit hohes Ansehen, weil er bewusst Menschen würdigt, die sich ohne eine mächtige Lobby im Hintergrund für eine menschenwürdige Zukunft einsetzen.

Der Preis wurde eingeführt, nachdem die Alfred Nobel Stiftung den mehrfach gestellten Antrag, einen offiziellen Nobelpreis für die Bekämpfung der Armut und den Schutz der Umwelt einzuführen, ablehnte. Der Schriftsteller Jakob von Uexküll stiftete darauf den Alternativen Nobelpreis  als Auszeichnung „für die Gestaltung einer besseren Welt“ . Bereits seit 1980 wird der Preis jährlich verliehen. Das Preisgeld von ca. 315.000 Euro müssen sich die Preisträger teilen.

Ein großer Ansporn für eine engagierte Anwaltschaft

Der Direktor der „Right Livelihood Award“-Stiftung erklärte zur diesjährigen Preisverleihung, dass in einer Zeit der alarmierenden Rückschläge für die Demokratie in der Welt die Preisträger auf eindringliche Weise durch ihr Engagement gezeigt hätten, dass Anwälte und Journalisten  durch unermüdlichen Einsatz große Erfolge auf dem „Weg zu einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt für alle“ erzielen können. Angesichts der von den Preisträgern gelieferten Beweise für den Realitätsgehalt dieser Worte, ist dem nichts hinzuzufügen. Die Preisverleihung findet im Dezember statt.

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Schlagworte zum Thema:  Rechtsanwalt, Menschenrecht, Auszeichnung, Umwelt

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