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Abgekupferte Diplomarbeit: Nichtbestehen der Prüfung sowie Exmatrikulation rechtmäßig

Plagiate in der Diplomarbeit zum Nichtbestehen der Diplomprüfung führen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Grundanforderungen des selbstständigen wissenschaftlichen Arbeitens, alle verwendeten Hilfsmittel und Quellen offenzulegen, gelten nicht nur für Dissertationen, sondern auch für Diplomarbeiten. Daher können Plagiate in der Diplomarbeit zum Nichtbestehen der Diplomprüfung und sogar zur Exmatrikulation führen.

Dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg lag folgender Fall zugrunde: Eine Studentin hatte in ihrer Diplomarbeit an zahlreichen Stellen Passagen aus den Werken anderer Autoren, teilweise mit geringfügigen Änderungen übernommen, ohne dies entsprechend zu kennzeichnen.

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Die Hochschule bewertete die Arbeit aufgrund dessen als Nichtbestanden und lehnte eine nochmalige Wiederholung der Diplomarbeit ab. Zudem wurde sie exmatrikuliert. Die daraufhin erhobene Klage der Studentin wies das VG Sigmaringen ab. Auch die Berufung der Klägerin vor dem VGH Baden-Württemberg war nicht erfolgreich.

Keine höheren Anforderungen als bei Doktorarbeiten

Entgegen der Auffassung der Klägerin werde an die wissenschaftlichen Anforderungen von Diplomarbeiten im Vergleich zu Doktorarbeiten kein erhöhter Maßstab angelegt, so das Berufungsgericht. Nach § 26 Abs. 1 S. 2 StuPO solle eine Diplomarbeit zeigen, dass nach einer vorgegebenen Zeit ein Problem selbständig nach wissenschaftlichen Methoden bearbeiten werden kann. Hierzu gehöre es zu den auch für Diplomarbeiten geltenden Grundanforderungen an das selbständige wissenschaftliche Arbeiten, dass alle verwendeten Hilfsmittel und Quellen als Zitate gekennzeichnet werden müssen.

Täuschung über eigene wissenschaftliche Leistung

Die Übernahme fremden Gedankenguts ohne entsprechende Zitate sei eine Täuschung über die Selbständigkeit der wissenschaftlichen Arbeit. Dies gelte insbesondere dann, wenn Plagiate systematisch und planmäßig erfolgen und sich an mehreren Stellen in der Arbeit finden lassen. Ebenso liege eine eigenständige Gedankenführung nicht vor, wenn kleinere Änderungen - wie vorliegend durch Umgruppierungen - vorgenommen werden, so die Richter.

(VGH Baden-Württemberg, Urteil v. 9.2.2015, 9 S 327/14).

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Schlagworte zum Thema:  Plagiat, Diplom

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