| Folgenschwere Raubkopie

„Fast and Furious“ von Kinoleinwand abgefilmt und ins Netz gestellt: 3 Jahre Haft

Film im Kino aufgenommen und ins Netz gestellt: 3 Jahre Haft
Bild: Haufe Online Redaktion

Immer ernster nehmen europäische Gerichte die Verletzung von Urheberrechten via Internet: Ein junger Brite ist nun zu einer deutlichen Haftstrafe verurteilt worden, weil er den Action-Film "Fast and Furious 6" von der Kinoleinwand abgefilmt und ins Internet gestellt hat. Der EuGH erlaubt zum Schutz der Filmindustrie vor Urheberrechtsverletzungen mittlerweile auch Website-Sperren.

Raubkopien belasten nach der Musikbranche auch die Filmindustrie. Keinen Spaß verstand darum die amerikanische Produktionsgesellschaft Universal Pictures , als ihr ein Raubkopierer durch Veröffentlichung eines Actionfilmes einen Millionenschaden zufügte.

Kurz nach dem Filmstart kopiert und selbst veröffentlicht

Der Angeklagte hatte bereits kurz nach dem Kinostart von "Fast and Furios 6" aus der letzten Reihe eines britischen Kinos eine illegale Kopie angefertigt und diese ins Netz gestellt. Dort wurde die Kopie 779.000 Mal heruntergeladen. Das Filmstudio Universal Pictures schätzt den entstandenen Schaden auf 2,9 Millionen Euro.

Überführt wurde der vielseitige Cineast weil er sein Online-Pseudonym "Thecod3r", unter dem er das Video verbreitet hat, auch auf einer Dating-Website verwendete. Ein vom Studio eingeschaltetes  "Webwatch"-Team konnte ihn deshalb ermitteln.

Hollywood-Produktionsfirma Universal Pictures klagte

Die Hollywood-Produktionsfirma Universal Pictures klagte über die britische Föderation wegen Copyright-Diebstahls (Fact) und ein britisches Gericht in Wolverhampton verurteilte den 25 Jahre alten Hobbykopierer am 24.8.2014 zu einer Haftstrafe von 33 Monaten.

Die Schwere des Falls läge in dem Schaden für die Filmindustrie als Ganzes, so der Richter bei der Verurteilung. Er bezeichnete den Raubkopierer als "frech, arrogant und von sich selbst eingenommen". Auch wenn sein Profit moderat gewesen sei, habe er doch erheblichen Schaden angerichtet.

Nach Festnahme noch eins draufgesetzt

Frech war er wirklich: Bereits eine Woche nachdem er den Film ins Netz geladen hatte, erfolgte seine Verhaftung durch die britische Polizei. Nachdem er gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, beleidigte er die Universal Pictures auf seiner Facebook-Seite deftig und bot in einer Art Trotzreaktion mehrere raubkopierte Filme auf DVD an. Vor Gericht bezifferte er den Erlös aus dem Verkauf der Kopien später auf rund 1 000 Pfund - 1,50 Pfund pro Kopie.

Im Verfahren bekannte er sich schuldig und begründete seine Aktion damit, sich den Respekt anderer Raubkopierer erarbeiten wollen. Wer als Erster einen solchen Film hochlade, genieße hohes Ansehen. Ein Mittäter, der geholfen zu hatte, die Raubkopie online zu stellen, kam mit 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit noch glimpflich davon.

Problem von Kopien wird immer brisanter

Immer stärker machen sich Raubkopien von Filmen bei den Gewinnen der Filmstudios bemerkbar. Sie drohen, wie schon früher bei Musikstücken geschehen, Filmerfolge zu gefährden. Oft sind es eher wackelige Kopien, doch manchmal geraten auch vor dem Kinostart schon Kopien in bester Qualität in Umlauf und ins Internet und machen den Gang ins Kino für viele entbehrlich.

EuGH: Internetanbieter können zur Website Sperre verpflichtet werden

Seit Anfang des Jahres können Internetanbieter verpflichtet werden, illegale Webseiten zu sperren auf denen Filme zum streamen angeboten werden. Solche Sperrmaßnahmen müssen nach europäischem Recht aber ausgewogen sein, wie der Europäische Gerichtshof bereits im März entschieden (Urteil v. 27.03.2014, C  314/12).

Im fraglichen Fall hatten österreichische Gerichte einem Access-Provider auf Antrag der Rechteinhaber an Kinofilmen aufgegeben, den Zugang zur Website "kino.to" zu sperren, einem populären, aber illegales Streaming-Portal für Kinofilme und Fernsehserien. Provider müssen laut EuGH die Möglichkeit haben, darzulegen, dass sie bereits ausreichende Maßnahmen zur Sperrung unzulässiger weil Urheberrechte verletzender Angebote ergriffen haben. Bei der Auswahl dieser Maßnahmen haben sie auf einen effektiven Schutz der Urheberrechte zu achten, ohne aber die Informationsfreiheit der bei ihnen registrierten Internetnutzer zu verletzen.

Haufe Online Redaktion

Urheberrecht