25.02.2014 | Arzthaftung

Methadonarzt nach Todesfall wegen unkontrollierter Abgabe mit Geldstrafe und Berufsverbot belegt

Methadonabgabe muss kontrolliert erfolgen, sonst droht Berufsverbot
Bild: Haufe Online Redaktion

Ein Substitutionsarzt hatte seinen Patienten Methadon im Rahmen von Take-home-Verordnungen für eine Woche verschrieben, obwohl es Anzeichen für die missbräuchliche Verwendung der Droge gab. Er wurde, nach dem Tod eines Patienten wegen einer Überdosis, zu einer hohen Geldstrafe verurteilt und erhielt ein Berufsverbot von fünf Jahren.

Der angeklagte Arzt aus Deggendorf hatte zwischen 2006 und 2011 unter anderem Substitutionspatienten behandelt und diesen die Ersatzdroge Methadon und Levamethadon im Rahmen von sogenannten „Take-home-Verordnungen“ verschrieben.

Strenge Voraussetzungen für den eigenverantwortlichen Konsum von Methadon

Bei „Take-home-Verordnungen“ wird es den Patienten ermöglicht, eine Wochenration in der Apotheke zu beziehen und die Tagesdosis ohne weitere ärztliche Kontrolle eigenständig einzunehmen.

Diese Verordnung ist an strenge Voraussetzungen geknüpft, daher obliegt dem behandelnden Arzt aufgrund des Missbrauchsrisikos eine besondere Verantwortung.

Patienten nicht ausreichend kontrolliert

Vier der Patienten nahmen das Methadon nicht bestimmungsgemäß ein bzw. konsumierten zusätzlich unerlaubte Betäubungsmittel. Trotzdem erhielten sie vor Ablauf der Woche weitere Neuverschreibungen.

Einem Patienten, welcher letztlich an einer Überdosis Methadon starb, verschrieb er die Ersatzdroge in fünf Fällen, ohne mit diesem Kontakt gehabt zu haben.

Tod durch eine Überdosis – Verantwortlichkeit des Arztes wegen fahrlässiger Tötung?

Das Landgericht Deggendorf verurteilte ihn deshalb wegen unerlaubten Verschreibens von Betäubungsmitteln in 125 Fällen zu einer Gesamtgeldstrafe von 360 Tagessätzen und verhängte ein Berufsverbot für fünf Jahre. Gegen dieses Urteil legten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte Revision ein. Die Staatsanwaltschaft kritisierte die unterbliebene Verurteilung wegen eines fahrlässigen Tötungsdeliktes zum Nachteil des verstorbenen Patienten. 

Revisionen wurden vom BGH verworfen

Der 1. Strafsenat des BGH hatte jedoch beide Rechtsmittel verworfen. Auch unter Berücksichtigung des weiten Beurteilungsspielraumes eines Arztes bei der Therapie seiner Substitutionspatienten habe er eindeutig gegen die Vorgaben des „Take-home-Verfahrens“ verstoßen.

Daher handle es sich um unerlaubte und damit strafbare Verschreibungen von Betäubungsmitteln. Für den Tod des Patienten war der Arzt nach Ansicht der BGH nicht verantwortlich, da es sich hier um eine eigenverantwortliche Selbstgefährdung des Patienten handelte. 

(BGH, Urteil v. 28.01.2014, 1 StR 494/13)

Schlagworte zum Thema:  Berufsverbot, Arzthaftung

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