Wenn der erste Compliance-Stein fällt, folgen bald andere Bild: Haufe Online Redaktion

Immer wichtiger wird für Compliance-Verantwortliche die Frage, wie effizient die Compliance-Management-Maßnahmen eingesetzt werden. Diese kann aber nur beantwortet werden, wenn Compliance messbar wird. Denn gemanagt werden kann nur, was messbar ist. Wie gelingt es Verantwortlichen den Erfolg ihrer Maßnahmen und die Wahrnehmung von Integrität und Compliance im Unternehmen zu evaluieren?

Effizienz nachweisen – Eine zukünftige Herausforderung für Compliance-Verantwortliche

Vor zehn Jahren war die Frage, ob man sich als Unternehmen überhaupt mit Compliance beschäftigen muss noch durchaus verbreitet. Heute hat sich Compliance als Aufgabe eines Unternehmens weitgehend etabliert. Durch die Veröffentlichung von Standards wie der ISO 19600 oder 37001 widmet sich die Diskussion heute mehr der Frage der richtigen Ausgestaltung. Hierbei besteht Konsens, dass sich ein Compliance-Management-System an den Compliance-Risiken eines Unternehmens orientieren muss, sowie sich kontinuierlich verbessern und an die Risikosituation anpassen soll. Ein solch kontinuierlicher Verbesserungsprozess birgt aber einige Herausforderungen. „If you can’t measure it, you can’t manage it” ist eine Lehrbuchweisheit, die man in diesem Zusammenhang hin und wieder zu hören bekommt (Das Zitat stammt von Robert S. Kaplan und David P. Norton, den Entwicklern der Balanced Scorecard). Manche Compliance-Verantwortliche ziehen sich darauf zurück, dass Compliance nur Rechtstreue herstellen soll und dass das der einzige Maßstab für sie ist. Compliance-Verantwortliche, die Unternehmensressourcen beanspruchen, werden sich aber zunehmend mit denselben Bewertungskriterien konfrontiert sehen, wie andere Unternehmensfunktionen auch. Compliance-Verantwortliche werden in Zukunft ihren Wertbeitrag mit Daten und Benchmarks aufzeigen müssen.

Viele Compliance-Verantwortliche haben deshalb auch genau das vor: Sie wollen eigene Erfolge messen können und damit ihren Beitrag zum betriebswirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens nachweisen. 17,89% der Compliance-Verantwortlichen wollen z.B. die Evaluation stärken. 19,20% wollen den Beitrag zum betriebswirtschaftlichen Erfolg aufzeigen, wie der vom Berufsverband der Compliance Manager herausgegebenen Berufsfeldstudie zu entnehmen ist. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Erfolg in irgendeiner Form gemessen und verglichen werden kann.

Wie können Wertbeiträge aufgezeigt werden?

Um den Erfolg ihrer Maßnahmen zu evaluieren, setzen laut der genannten Studie 43,2% der Compliance-Verantwortlichen bereits einfache quantitative Maßnahmen ein.

  • Beispielsweise wird gemessen in welcher Zielgruppe bereits welcher Prozentsatz eine Schulung durchlaufen hat.
  • Außerdem wird erfasst, wie viele Compliance-Anfragen beim Compliance-Verantwortlichen eingegangen sind. Es ist hier bereits äußerst hilfreich, nicht nur die Anzahl insgesamt zu erfassen, sondern auch Differenzierungen vorzunehmen. Häufige Anfragen kommen z.B. zu Zuwendungen aber auch zur Akzeptanz eines Lieferantenkodex. Und natürlich sollte genau erfasst werden, welche Hinweise auf Verstöße eingegangen sind, in welcher Weise sie verfolgt wurden oder welches Ergebnis die Investigation geliefert hat. Um den Wertbeitrag z.B. in Form von Servicequalität aufzeigen zu können, bietet es sich an, weitere Daten zu erfassen, wie z.B. die Bearbeitungsdauer von Anfragen und Hinweisen.

Um den Wertbeitrag aber eindeutig aufzeigen zu können, reichen diese einfachen Daten meist nicht aus. Deshalb nutzen 22,49% der Compliance-Verantwortlicher bereits tiefergehende Wirksamkeitsanalysen. Oft handelt es sich dabei um Mitarbeiterbefragungen, manchmal auch Prozessbegehungen o.ä. Grundsätzlich lassen sich aber auch viele andere Maßnahmen oder Daten denken, die erfasst werden können und die einen Aufschluss über die Effizienz des Compliance-Management-Systems geben. Mitarbeiter und Führungskräfte, die eine Anfrage gestellt haben, können z.B. anschließend (anonym) befragt werden, ob Ihnen die Antwort einen Mehrwert geliefert hat o.ä.

Darüber hinaus können bestimmte Größen, die in engem Zusammenhang mit dem Erfolg der Compliance-Arbeit stehen, gemessen werden, z.B.

  • die Wahrnehmung von Integrität und Compliance im Unternehmen. Dies kann einen Informationsgewinn bedeuten, da hier u.a. festgestellt werden kann, ob Kommunikations- oder Schulungsmaßnahmen auch tatsächlich in den Köpfen der Mitarbeiter ankommen.
  • Es kann aber auch gemessen werden, wie Führungskräfte ihre Vorbildrolle in Bezug auf integres Verhalten ausfüllen. Eine solche Messung kann als Maßstab für die Effektivität des Compliance-Management-Systems herangezogen werden. Eine derartige Messung der Compliance-Wahrnehmung kann z.B. über einen strukturierten Fragebogen per Umfrage durchgeführt werden. Umfragen können vom Compliance-Verantwortlichen individuell und auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten entwickelt, in Gesprächen, per Email oder mit webbasierten Umfragetools selbst durchgeführt und anschließend statistisch ausgewertet werden.

Was müssen Compliance-Verantwortlichen beachten?

Compliance-Verantwortliche werden sich dem Druck, ihren eigenen Beitrag zum Unternehmenserfolg aufzuzeigen, nicht entziehen können. Dabei werden sie zunehmend auf Zahlen, Daten, Fakten und statistische Auswertungen zurückgreifen müssen und die Entwicklung ihrer Arbeit damit aufzeigen. Sie sollten sich mit dieser Entwicklung anfreunden und ihre Prozesse möglichst frühzeitig auf Möglichkeiten und Schnittstellen durchforsten, wo sie sinnvolle Daten erheben können und diese regelmäßig auswerten und ihre Anstrengungen daran ausrichten. Denn früher oder später werden sie daran von anderen gemessen werden.

Schlagworte zum Thema:  Compliance, Compliance-Beauftragter, Compliance-Management, Compliance-Manager

Aktuell
Meistgelesen