09.07.2012 | Buback-Mord

Ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker verurteilt

Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Ob Becker selbst 1977 auf den Generalbundesanwalt Buback schoss, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Wegen des lang zurückliegenden Verbrechens, wurde sie jetzt zu vier Jahren Haft verurteilt. Die geäußerte Verdächtigung einer Becker lange "schützenden Hand", wies das Gericht zurück.

1977 wurden der damalige Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter im Dienstwagen auf offener Straße von einem Mordkommando der Roten Armee Fraktion erschossen. Wer genau dieses Verbrechen ausführte, wird wohl nie geklärt werden können.  Auch, welche Rolle Verena Becker, ein damaliges Mitglied der RAF, dabei spielte – ob sie Mittäterin war oder nur Beihilfe leistete –, bleibt weiterhin im Dunklen. Im wohl letzten großen RAF-Strafprozess wurde jetzt deutlich, dass eine Aufklärung der mehr als 30 Jahre zurückliegenden Ereignisse kaum mehr möglich ist.

Keine Mittäterschaft, sondern nur Beihilfe erwiesen

Der Prozess gegen die heute 59-Jährige führte vor dem Oberlandesgericht Stuttgart zu ihrer Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord. Dass sie selbst die Schüsse abgab, wie vom Sohn des Opfers, Michael Buback, einer der Nebenkläger im Prozess, vermutet, konnte nach Meinung der Richter nicht nachgewiesen werden. Sie verhängten für die Beihilfe eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren. Die Generalbundesanwaltschaft hatte 4 Jahre und 6 Monate gefordert.

Alles zu lange her ...

Becker, bei der damals die Tatwaffe gefunden wurde, trug zur Aufklärung der Tat nichts bei. Die Richter stützten sich im Verfahren weitgehend auf die Aussagen des Ex-RAF-Mitglieds Peter-Jürgen Boock. Sie ergaben, dass Becker an einem Vorbereitungstreffen zum Mordanschlag teilgenommen habe. Dort habe sie sich vehement dafür eingesetzt, dass das Verbrechen so schnell wie möglich durchgeführt werden müsse. Dies und ihre führende Rolle in der RAF führten letztendlich zu ihrer Verurteilung. 

Vorsitzende Richter: keine schützende Hand

An das Verfahren seien hohe Erwartungen geknüpft waren, so der Vorsitzende Richter, die nicht aller erfüllt worden wären.  Zahlreiche Zeugen seien zwischenzeitlich gestorben oder hätten nach der langen Zeit keine genaue Erinnerung mehr. Er widersprach aber Vorwürfen des Nebenklägers  und Sohn des Ermordeten, Michael Buback, es habe schwerwiegende Ermittlungspannen oder gar eine "schützende Hand" für die Angeklagte gegeben.

Hierzu habe das Verfahren keine Anhaltspunkte ergeben. Michael Buback hielt bis zum Schluss des Prozesses an seiner These fest, dass Becker selbst die tödlichen Schüsse abgefeuert habe. Sie sei  bei den Ermittlungen von höherer Stelle geschützt worden. Dafür ergab die Hauptverhandlung keine Hinweise betonte der Vorsitzende Richter.

Sie habe zwar während ihrer Haftzeit Anfang der 80er Jahre Informationen an den Verfassungsschutz gegeben und dafür Geld und Vorteile im Strafvollzug bekommen,  weitergehende Vorwürfe seien nicht haltbar.

Schlagworte zum Thema:  Terrorismus, Verfassungsschutz, Beihilfe, Mittäterschaft

Aktuell

Meistgelesen