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Kunstberater Helge Achenbach zu 6 Jahren Haft verurteilt

Achenbach betrog Albrecht (Aldi-Nord) beim Ankauf von Oldtimern und Kunst: 6 Jahre Haft
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Auch wenn ein Betrug keinen Armen trifft, kann das Gericht den Betrüger mit voller Wucht abstrafen. Das zeigt ein ungewöhnlich hartes Urteil, das gegen den wohl bekanntesten Kunstberater Deutschlands in Essen verhängt wurde. Das unverfrorene Ausnutzen des ihm von Geschäftsfreunden entgegengebrachten Vertrauens ließ nach Meinung des LG kein milderes Urteil zu. Den Racheengel gab die Witwe des ebenfalls betrogenen Aldi-Nord-Inhabers Berthold Albrecht.

In Verhandlungen mit Geschäftspartnern in der Kunstszene zeigte sich Helge Achenbach als virtuoser Verhandler. In den 16 Verhandlungstagen vor dem Essener Landgericht versagte aber sein Verhandlungsgeschick.

Kunstberater und ehemalige Klub-Präsident tief im strafrechtlichen Abseits

Der Kunstberater und ehemalige Präsident des Fußballklubs Fortuna Düsseldorf, der unter anderem das WM-Quartier der Fußball Nationalmannschaft in Brasilien mit Kunstwerken ausgestattet hatte, konnte vor dem LG nicht punkten und fand mit seinen mehr als  eigenwilligen Geschäftsgebaren vor der Kammer keine Gnade.

Aus Dollar machte Achenbach einfach Euro

Ins Rollen gekommen war die Sache, nachdem Helge Achenbach für die private Berenberg Bank in Düsseldorf über eine eigens gegründete Gesellschaft die Kunstberatung übernommen hatte. Der frühere Direktor der Bielefelder Kunsthalle Thomas Kellein, den Achenbach als freier Mitarbeiter gewonnen hatte, hatte die Bank über Unregelmäßigkeiten der Geschäfte Achenbachs informiert. Dieser hatte dem Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses des Pharma-Unternehmens Boehringer-Ingelheim Kunstwerke verkauft und durch Manipulation der Einstandspreise Boehringer um insgesamt 1,2 Millionen Euro betrogen.

Aufgeflogen

Einen Teil dieser Summe zahlte Achenbach später an Boehringer zurück. Dies hinderte Boehringer allerdings nicht daran, die Witwe des verstorbenen Aldi-Nord-Inhabers, Babette Albrecht, über die Unregelmäßigkeiten zu informieren. Babette Albrecht hat daraufhin eine Anwaltskanzlei mit Ermittlungen beauftragt.

Beim Verkauf von Kunstwerken und Oldtimern durch Manipulation der Einkaufspreise betrogen

Dabei kam heraus, dass Achenbach ihren verstorbenen Mann bei dem Verkauf von Kunstwerken und Oldtimern durch Manipulation der Einkaufspreise betrogen hatte. Häufig hatte Achenbach auf Rechnungen Dollar einfach in Euro umgeändert.

Bis zuletzt reingelegt - Witwe Albrecht forderte Genugtuung

Babette Albrecht erstattete eine umfassende Strafanzeige gegen Achenbach, die zu dessen Verhaftung und einer inzwischen seit neun Monaten andauernden Untersuchungshaft führte.

Nach ihren Aussagen war ihr Zorn gegen Achenbach deshalb so groß, weil dieser dem bereits von schwerer Krankheit gezeichneten Albrecht kurz vor seinem Tod noch überteuerte Oldtimer aufgeschwatzt habe. Diesen Vorwurf übernahm auch das LG Essen in seinem Urteil.

Alle vertrauten Achenbach uneingeschränkt

Albrecht habe  seinem „Freund“ Achenbach zutiefst vertraut. Er sei seinen Ratschlägen quasi blind gefolgt. Boehringer selbst hatte bei seiner gerichtlichen Vernehmung auf die Frage, weshalb er bei den Kunstgeschäften keine unabhängigen Dritten hinzugezogen habe, geantwortet, Achenbach sei für ihn der unabhängige Dritte gewesen.

Dieses ihm von allen Seiten entgegengebrachte Totalvertrauen hatte Achenbach nach Auffassung der Richter auf unwürdige Weise ausgenutzt, um sich ungerechtfertigte Vermögensvorteile zu verschaffen. Regelrecht empört zeigte der Vorsitzende Richter sich darüber, dass die Anwälte Achenbachs versucht hätten, den weltweit angesehenen Kunsthistoriker Kellein mit der unangemessenen Forderung, dass dieser ebenfalls auf die Anklagebank gehöre, in das Verfahren hineinzuziehen.

Fass ohne Boden: Achenbach mit Gastronomie-Unternehmungen  überfordert

Nach Auffassung des LG hat Achenbach aber nicht nur seine Geschäftspartner enttäuscht. Der Berenberg Bank habe er einen schweren Imageschaden zugefügt und ein Tochterunternehmen des Geldhauses „völlig versenkt“.

Auch gegenüber den Mitarbeitern seiner eigenen Unternehmen, wie denen des Gastronomiebetriebes “Monckey`s Plaza“, die ihren Arbeitsplatz verloren hätten, sei Achenbach seiner Verantwortung nicht gerecht geworden.

Das Geschäftsfeld der Gastronomie habe Achenbach einfach nicht beherrscht. Diese Betriebe hätten immer mehr Geld verschlungen, so dass Achenbach sich zu immer neuen Betrugsmanövern habe hinreißen lassen.

Enormer Schuldenberg

Im Ergebnis verurteilte das LG den Angeklagten u.a. wegen Betrugs in  insgesamt 18 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren Haft. Der von Achenbach angerichtete Schaden lag laut LG bei rund 20 Millionen Euro. In einem zivilrechtlichen Verfahren hatte das LG Düsseldorf Achenbach Ende Januar zur Zahlung von 19,4 Millionen Euro an Babette Albrecht verurteilt. Ob Achenbach diese Verpflichtung wird erfüllen können, bleibt mehr als ungewiss. Allerdings hat er das zu Grunde liegende Zivilurteil angefochten.

Superreiche kein Freiwild für Betrüger

Insgesamt zeigt sich die Familie Albrecht mit dem Urteil des LG äußerst zufrieden. Achenbach, der während des Verfahrens mehrfach darauf hingewiesen hatte, dass er aus der linken Studentenszene komme und als Sozialpädagoge eigentlich mehr zufällig in den Kunstmarkt gerutscht sei, zeigte sich von der Höhe der Strafe geschockt.

Der Vorsitzende Richter begründete die Höhe der Strafe unter anderem damit, der Angeklagte habe rigoros das ihm entgegengebrachte Vertrauen seiner befreundeten Geschäftspartner zum eigenen Vorteil missbraucht. Auch Superreiche seien kein Freiwild für Betrüger.

Gesetz schützt Große und Kleine

Das Gesetz schütze sehr große Vermögen in gleicher Weise wie kleine. Keiner dürfe glauben, Superreiche wie Albrecht dürfe man eher betrügen als andere. Mit seinem Urteil hat das Gericht ein Exempel statuiert und hierbei auch generalpräventive Argumente vorgehalten. Ob das Urteil in dieser Härte Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Die Anwälte von Achenbach prüfen bereits die Erfolgsaussichten einer Revision.

(LG Essen, Urteil v. 16. 3. 2015, 56 KLS 10/14).

Vgl. zu dem Thema auch:

Museum muss gestohlenes Gemälde zurückgeben

Auktionshaus muss Kaufpreis für Fälschung zurückzahlen

Bunter Hund der Kunstszene

Zur Wirksamkeit von Haftungsausschlüssen in den Versteigerungsbedingungen

Schlagworte zum Thema:  Kunst, Betrug

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