| Mietrecht

Eigenbedarf: Keine Kündigung von 99-jähriger Mieterin nach 40 Jahren

Lebt ein hochbetagter Mieter bereits seit mehreren Jahrzehnten in derselben Wohnung, kann einer Eigenbedarfskündigung ein besonderer Härtegrund entgegenstehen. Einen alten Baum soll man schließlich nicht umpflanzen...

Je länger eine Wohnung angemietet ist, desto niedriger ist meist die Miete. Kein Wunder, dass häufig der Versuch gemacht wird, unlukrativen Langzeitmietern zu kündigen. Doch hohes Alter kann auch im Mietrecht ein Schutz sei.

 

Besonderen Härtegrund i. S. v. § 574 BGB

Eine hochbetagte (hier: 99-jährige) Mieterin ist nach einer Mietdauer von 39 Jahren nach der allgemeinen Lebenserfahrung so mit der Wohngegend verwurzelt, dass ihr ein Umzug unzumutbar ist. Die Mieterin kann sich in diesem Fall gegenüber einer Kündigung wegen Eigenbedarfs auf einen besonderen Härtegrund i. S. v. § 574 BGB berufen.

 

Bekannte Wohnsituation nicht aufgeben

Allein der Umstand, dass die Mieterin nach 39 Jahren aus der ihr bekannten Wohnsituation herausgerissen würde, stellt aufgrund der altersbedingten naturgemäßen Einbuße an Flexibilität und der verminderten Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen, eine unzumutbare Härte dar.

(LG Bonn, Beschluss v. 8.10.2010, 6 S 130/10).

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