| Kaskoversicherung

Autounfall unter Alkoholeinfluss

Bild: Haufe Online Redaktion

Wie stark darf die Kaskoversicherung ihre Leistungen kürzen? Kein Geld trotz Vollkaskoversicherung. Bei alkoholbedingten Unfällen ist das gar nicht so selten. Wie aus 1,09 Promille immerhin noch 25 Prozent werden können, zeigt ein Urteil des OLG Karlsruhe.

Den Deutschen wird eine Vollkaskomentalität nachgesagt, gerade wenn es um den Versicherungsschutz für ihr liebstes Kind, das Auto, geht. Doch auch die Vollkaskoversicherung muss bekanntlich nicht alle Schäden übernehmen.

Je höher die Promille, desto niedriger die Prozente

Das gilt insbesondere bei Unfällen, die unter Alkoholeinfluss geschehen. Die Faustregel lautet: Je höher die eigenen Promille, desto niedriger die Prozente von der Versicherung, wobei durchaus auch Null Prozent möglich sind.

Im vom OLG Karlsruhe zu entscheidenden Fall ging es um eine Frau, die eine Baustelle übersehen und ihren Opel Tigra geschrottet hatte. Vor der Fahrt hatte sie bei einer Freundin mehrere Gläser Rotwein getrunken.

Unfallfahrerin bestreitet Alkohol als Unfallursache

Die Polizei stellte eine Blutalkoholkonzentration von 1,09 Promille fest, also ganz knapp unterhalb der Grenze der absoluten Fahruntauglichkeit von 1,1 Promille. Die Frau wollte von ihrem Versicherer dennoch den gesamten Schaden in Höhe von 7.120 EUR nebst Zinsen ersetzt bekommen.

Zwar gab die Opel-Fahrerin zu, dass sie aufgrund eines Fahrfehlers selbst für den Unfall verantwortlich gewesen sei. Allerdings sei der Unfall nicht durch ihren Alkoholgenuss verursacht worden, sondern weil sie versucht habe, die im Fahrerbereich leicht beschlagene Frontscheibe frei zu wischen.

Das Landgericht hatte die Klage noch komplett abgewiesen. Begründung: Die Frau habe den Unfall grob fahrlässig herbeigeführt. Die Wisch-Argumentation der Frau sei unglaubwürdig. Die Versicherung dürfe deshalb die Leistung gemäß § 81 Abs. 2 VVG auf null kürzen.

Grobe Fahrlässigkeit ist unstreitig

Das OLG Karlsruhe kam zu einem anderen Ergebnis. Zwar sieht das Gericht ebenfalls ein grob fahrlässiges Handeln der Frau. Bei einer Blutalkoholkonzentration unter 1,1 Promille komme es aber auf die Umstände des Einzelfalls an, ob eine alkoholbedingte Fahruntauglichkeit festgestellt werden kann. Dabei sind insbesondere Fahrfehler und mögliche Ausfallerscheinungen zu berücksichtigen.

Versicherung muss 25 Prozent des Schadens übernehmen

Beim Unfall der Frau hielt das Gericht eine Kürzung der Versicherungsleistung auf 25 Prozent des Schadens für angemessen. Der Unfall-Fahrerin kam hier zu Gute, dass die Polizei vor Ort keine alkoholbedingten Ausfallerscheinungen bemerkt hatte.

Bei Blutalkoholkonzentrationen, die nur minimal höher liegen und 1,1 Promille erreichen, entscheiden Gerichte häufig auf eine Kürzung der Leistung auf null.

(OLG Karlsruhe, Urteil v. 15.04.2014, 9 U 135/13)

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Schlagworte zum Thema:  Verkehrsunfall, Alkoholkonsum, Alkohol, Führerschein, Verkehrskontrolle

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