24.08.2012 | OLG Koblenz

Schmerzhafter Zusammenstoß in einer Wasserrutsche – Blockierer müssen zahlen

Bild: Haufe Online Redaktion

Wer eine Wasserrutsche vorschriftswidrig von unten nach oben hinaufklettert, hat uneingeschränkt für den Schaden aufzukommen, der zwangsläufig durch den Zusammenstoß mit ordnungsgemäß hinunterrutschenden Badegästen entsteht. Das hatte das OLG Koblenz entschieden.

Rutschen macht nicht immer Spaß

In Freizeitbädern üben vor allem Wasserrutschen eine enorme Anziehungskraft auf die Badegäste aus. Dem Rutschvergnügen steht auch so lange nichts im Wege, wie die Anlage ordnungsgemäß benutzt wird. Das OLG Koblenz hatte sich kürzlich jedoch mit einem folgenschweren Unfall zu befassen, der sich in der sogenannten Turborutsche eines Freizeitbades im Jahr 2006 ereignete. In dieser steilen Rutsche gelangten die Badegäste fast im freien Fall in einem schmalen Auslaufbecken, das sich im Keller befand. Zwei Absperrgitter mit Glasfüllung sicherten die Seiten des Beckens ab und ein Drehkreuz, das sich nur in die Ausgangsrichtung drehen ließ, verhinderte das Betreten des Auslaufbereiches.

Alle Zeichen auf Grün

Sobald nach dem Rutschen der Badegast den Auslaufbereich durch das Drehkreuz verließ, schaltete sich oben am Rutscheingang die Ampelanlage auf Grün. Erst danach konnten die Gäste oben die Rutsche betreten. Die zwei Beklagten, 34 und 38 Jahre alt und beide zum ersten Mal in diesem Freizeitbad, wollten eigentlich die ausgeschilderte „Schatzinsel“ besuchen, gelangten aber in den Raum mit dem Auslaufbecken der Rutschanlage. Sie stiegen über die Absperrung in das Becken und kletterten von unten die Rutschröhre hinauf. Da die Ampel oben auf grün stand, rutschte der Kläger in diesem Moment die Steilrutsche hinunter und prallte mit voller Wucht und angezogenen Beinen gegen die Beklagten.

Missachtung von Sicherheitsvorkehrungen- Fahrlässige Körperverletzung

Der Kläger erlitt einen Bruch des äußeren Schienbeinkopfes im rechten Knie sowie eine Knorpelschädigung und verklagte die Blockierer auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Das  Landgericht Koblenz stellte bereits die uneingeschränkte Haftung der Beklagten fest. Das OLG bestätigte nun die Verurteilung wegen fahrlässige Körperverletzung, und ließ das Vorbringen der Beklagten, sie seien sich über die Bedeutung der Röhre nicht im Klaren gewesen, nicht gelten: Die Beklagten haben bei der Benutzung der Rutsche grundlegende und jedermann einleuchtende Regeln und Sicherheitsvorkehrungen missachtet. Infolge des Blockierens der Rutsche sei es zu der Körperverletzung des Klägers gekommen, der wegen der Enge in der Röhre sowie der hohen Geschwindigkeit einen Zusammenprall auch nicht verhindern konnte. Damit haften sie allein in vollem Umfang für den Schaden.

OLG erhöht Schmerzensgeld

Nach nochmaliger sachverständiger Begutachtung erhöhte das OLG jedoch die zu zahlende Schmerzensgeldsumme von 3.000 EUR auf angemessene 5.000 EUR, da es entgegen der Auffassung des LG von einem dauerhaften Schaden bei der Knieverletzung des Beklagten überzeugt war.

 

OLG Koblenz, Urteil v. 21.06.2012, 2 U 271/11

Schlagworte zum Thema:  Schmerzensgeld, Körperverletzung

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