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Wegeunfall: Kein Versicherungsschutz bei Erholungspause auf der Heimfahrt

Auf dem Weg von und zur Arbeit sind Beschäftigte gesetzlich unfallversichert wie bei einem Arbeitsunfall. Wird die Heimfahrt allerdings für längere Zeit unterbrochen, geht der Versicherungsschutz meist verloren.

Nickerchen auf Heimfahrt: Versicherungsschutz ist auch eingeschlafen

Der Beamte leistete Nachtdienst und trat im Anschluss die Heimfahrt zu seiner 200 Kilometer entfernten Wohnung an.

  • Nach einer Stunde fuhr er wegen Übermüdung einen Rastplatz an,
  • schlief dort 3 Stunden lang
  • und hatte 20 Minuten nach Wiederantritt der Heimfahrt einen Unfall.

Sein Arbeitgeber verweigerte die Anerkennung als Dienstunfall.

 

Unfall ereignete sich im privaten Lebensbereich

Zu Recht, wie die OVG-Richter meinen. Versicherungsschutz sei nur zu bejahen, wenn es sich lediglich um eine unwesentliche Unterbrechung der Rückfahrt gehandelt hätte oder wenn der Zusammenhang mit dem Dienst bei der Fortsetzung der Rückfahrt wiederhergestellt worden wäre.

Die schlafbedingte Unterbrechung sei nicht unwesentlich gewesen, zudem stehe das zeitliche Ausmaß der Pause in einem Missverhältnis zur Dauer der Heimfahrt.

Der Unfall müsse daher dem privaten Lebensbereich zugeordnet werden, denn ein Wiederaufleben des Dienstunfallschutzes für den restlichen Weg des Klägers zu seiner Wohnung sei auch zu verneinen. Dem stehe angesichts der zu berücksichtigenden Umstände dieses Einzelfalles bereits entgegen, dass aus der Dauer und der Art der Unterbrechung auf eine endgültige Lösung des Zusammenhangs zwischen der dienstlichen Tätigkeit und dem Weg von dem Ort der Tätigkeit geschlossen werden kann.

(OVG Lüneburg, Urteil v. 15.4.2011, 5 LA 79/10).

 

So richtig überzeugend scheint das Urteil nicht: Einerseits will das OVG nicht den Zeitablauf allein als Unterbrechungsgrund nehmen, andererseit scheint es fraglich, wie der Beamte in schlafendem Zustand den Zusammenhang zur dienstlichen Tätigkeit innerhalb von 3 Stunden stärker lösen kann, als innerhalb einem Viertelstündchen Schlafes. Schließlich scheint es auch nicht sinnvoll, Beamte nach der Nachtschicht davon abzuhalten, sich bei Müdigkeitseinfall auf der Autobahn auszuruhen. Wer weiß, wie der Unfall nach nur 1/4 Stunde Schlaf ausgefallen wäre.

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