20.12.2011 | allg. Zivilrecht

Wau: Hundehalter haftet auch für vor einem Ladengeschäft angeleinten Hund

Stürzt jemand, weil er vor einem angebunden, bellenden Hund erschreckt zurückweicht, kann der Hundehalter dafür haftbar gemacht werden. Hierdurch habe sich eine typische Tiergefahr realisiert, für die das Herrchen bzw. Frauchen auch ohne Verschulden einzustehen hat, so das LG Coburg.

Bellende Hunde beißen nicht....

Eine Hundehalterin hatte ihren Dackelmischling an einem Zaunpfosten vor einem Gemüseladen angebunden. Aufgrund seiner Freilaufleine nutzte der Hund seine Bewegungsfreiheit und rannte knurrend und bellend auf eine Rentnerin zu.

Diese wich vor Schreck zurück und stürzte so schwer, dass sie sich einen Lendenwirbel und das linke Handgelenk brach. Die Krankenkasse der Frau verlangte von der Hundehalterin die Erstattung der Behandlungskosten in Höhe von rund 6.500 Euro. Die Beklagte war jedoch der Ansicht, dass sich die Geschädigte die Verletzungen selbst zuzuschreiben hatte.

 

Dennoch muss der Tierhalter für die Behandlungskosten aufkommen

Dieser Argumentation folgte das LG Coburg in seinem Urteil nicht. Nach der Beweisaufnahme stand für die Richter fest, dass der Dackelmischling bellend auf die Rentnerin zulief.

 

Reale Gefahr ist nicht nötig, Angst und Schrecken verbreiten reicht auch

Die Halterin war nicht allein deshalb aus dem Schneider, weil der Hund die Rentnerin nicht hätte erreichen können. Durch den, durch ihre Angst vor dem bellenden, sich ihr nähernden Hund bewirkten Sturz, habe sich aufgrund des typischen Hundeverhaltens eine vom Tier ausgehende Gefahr realisiert. Für diese habe der Tierhalter gem. § 833 BGB auch ohne eigenes Verschulden einzustehen.

 

Verhalten des Hundes nicht vorhersehbar = kein Mitverschulden

Auch ein Mitverschulden der Rentnerin konnte das Gericht nicht erkennen, da sie mit diesem Verhalten des Hundes nicht zu rechnen brauchte. Dass sie vor Schreck nach hinten ausgewichen sei, sei ihr nicht anzulasten, da dies einem natürlichen Schutzverhalten entspreche.

(LG Coburg, Urteil v. 11.07.2011, 13 O 150/11).

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