| Auto zum Schnäppchenpreis

Vorsicht bei Abbruch einer Ebay-Auktion nach Gebotseingang

3,2, Ende: Ebay-Auktion abgebrochen - Schadensersatzpflicht
Bild: ebay

3, 2, Stopp! Bei Ebay hatte ein Verkäufer die Versteigerung eines Autos trotz Vorliegens eines Ein-Euro-Gebots abgebrochen. Nun hat der BGH dem Bieter über 5.200 Euro Schadenersatz zugesprochen, weil der Kaufvertrag trotz des Missverhältnisses zwischen Kaufpreis und Wert des PKW wirksam war.

Ebay kann süchtig machen und birgt auch sonst einige Fallstricke für Anbieter und Bietende.  Das musste auch ein Fahrzeugeigentümer feststellen, der seinen Passat etwas unüberlegt auf dem Portal anbot.

VW-Passat voreilig eingestellt

Der Beklagte bot seinen gebrauchten VW Passat im Internetportal Ebay mit einem Startpreis von einem Euro zum Kauf an. Gleich nach Beginn der Auktion hatte der Kläger für den Gebrauchtwagen einen Euro geboten.

Anderen Käufer in der realen Welt gefunden 

Da der Beklagte jedoch außerhalb der Auktion einen anderen Käufer gefunden hatte, welcher für das Auto 4.200 Euro bezahlen wollte, brach er die Auktion ab. Mit E-Mail informierte der Verkäufer den Kläger über den anderweitigen Verkauf des Autos. Dieser wollte die Sache jedoch nicht auf sich beruhen lassen und verklagte den Eigentümer auf Schadenersatz in Höhe des Wertes des Wagens von 5.250 Euro.

Abbruch der Versteigerung nicht mehr möglich – Kaufvertrag wirksam

Das LG Mühlhausen hatte der Klage stattgegeben und den Beklagten zur Zahlung eines Schadenersatzes in Höhe von 2.549 Euro verurteilt. Sowohl die Berufung als auch die Revision des Beklagten war erfolglos. Der Kaufvertrag sei nach Ansicht des VIII. Zivilsenats wirksam zustande gekommen.

Kaufpreis nicht sittenwidrig,

Er sei auch nicht sittenwidrig, da es gerade den Reiz einer solchen Internetauktion ausmache, einen Gegenstand zu einem Schnäppchenpreis zu erwerben. Im Gegenzug könne der Verkäufer durch das Überbieten der einzelnen Auktionsteilnehmer auch einen höheren Preis erzielen.

Wahl eines niedrigen Startpreises – Risiko des Verkäufers

Darüber hinaus beruhe es auf einer freien Entscheidung des Beklagten, der das Risiko eines ungünstigen Auktionsverlaufs durch das Festsetzen eines Mindestgebotes von einem Euro in Kauf genommen habe.

(BGH, Urteil v. 12.11.2014, VIII ZR 42/14).

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Schlagworte zum Thema:  EBay, Kaufvertrag, Online-Auktionen, Auktion

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