16.07.2011 | allg. Zivilrecht

Urteil zu Online-Werbung: nicht Wegzuklickendes kann unzumutbare Belästigung sein

Das LG Berlin hat dem Betreiber einer Spiele-Seite verboten, den Spielen Werbebanner vorzuschalten, die sich - ohne dass der Nutzer darauf Einfluss nehmen kann - erst nach 20 Sekunden ausblenden. Auch dürfen sich Spiele und Werbung nicht zu sehr ähneln. Das gilt besonders, wenn sie sich an Kinder und Jugendliche wenden.

Das holländische Unternehmen Admeen B.V. betreibt im Internet ein kostenloses Spiele-Portal, das sich vorwiegend an Kinder richtet. Gerade auch deshalb wurde seine spezielle Werbung als unzulässig eingestuft. Werbung - besonders, wenn sie sich an Kinder richtet - soll nicht mit Online-Spielen verwechselbar sein.

 

Wenn Interstitials das Spielen stören

Das LG Berlin hat auf Klage der Verbraucherzentrale im Zusammenhang mit dem internetauftritt der Firma entschieden, dass eine Internet-Werbung, die durch den Nutzer nicht abgebrochen werden kann, auf einer Seite für verschiedene Kinder-Browserspiele wettbewerbswidrig ist.

Das Unternehmen hielt auf seiner Internetseite eine große Anzahl unterschiedlicher Browserspiele vor. Die streitigen, sog. Interstitials , sind Werbeanzeigen, die nach der Auswahl eines Spieles erscheinen.

 

Werbung die kommt und nur teilweise geht

  • Bei einigen Spielen hat der Nutzer die Möglichkeit, die Werbung nach 5 Sekunden durch das Klicken eines Buttons zu überspringen,
  • bei anderen besteht diese Möglichkeit hingegen nicht und der Nutzer muss bis zu 20 Sekunden warten, bis die Anzeige verschwindet.

Das Gericht monierte, dass der Werbecharakter verschleiert werde, da die Interstitials für die zumeist jugendlichen Nutzer nicht eindeutig genug als Werbung erkennbar sei.

Die Werbebanner waren ähnlich gestaltet und in die Webseite eingebettet wie die Bilder, die zu den einzelnen Spielen führten. Sie konnten daher leicht den Eindruck erwecken, es handele sich um eine weitere Spielmöglichkeit, waren aber mit teilweise kostenpflichtigen Angeboten verlinkt.

 

Schwelle zur unzumutbaren Belastung

Außerdem war die Werbung unzulässig, weil der Nutzer keine Möglichkeit habe, die Banner vorzeitig wegzuklicken. Wenn die Nutzer 20 Sekunden warten müssen, bis sie mit dem Spiel beginnen können, stelle dies eine unzumutbare Belästigung dar.

Sofern sich der Nutzer dagegen der Werbung schon nach kurzer Zeit durch einfaches Wegklicken entziehen könne, sei die Schwelle zur unzumutbaren Belastung nicht überschritten.

(LG Berlin, Urteil v. 14.9.2010, 103 O 43/10).

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