08.07.2011 | allg. Zivilrecht

Unzulässige Therapeutentätigkeit: Hypnose ohne Zulassung nach dem Heilpraktikergesetz

Heilen, helfen, Leiden lindern - auch wer diese Ziele verfolgt, ist nicht ohne Weiteres auf der sicheren Seite: Zwar fällt nicht jedes Handeln zu Heilzwecken unter das Heilpraktikergesetz. Sind aber bei einer Therapie gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich, muss der Behandler eine Zulassung haben, um therapieren zu dürfen.

Hypnotische Behandlung von Depressionen, Angstzuständen und Traumata

Die Angeklagte fühlte sich zur Behandlung von psychischen Störungen berufen. Auf ihrer Internetseite wandte sie sich an Menschen, die unter psychischen Problemen wie Depressionen, Angstzuständen und Traumata leiden.

  • Auf ihren Flyern bewarb sie die von ihr angebotene Therapie nach der Synergetik-Methode.
  • Dabei werden die „Patienten“ in einen hypnotischen Zustand tiefer Entspannung versetzt
  • und mit inneren Bildern ihrer – z.T. sehr belasteten – Erinnerung konfrontiert.

Abgesehen davon, dass die „Patienten“ der Angeklagten diese Bilder ausführlich beschrieben, fand eine spätere Erörterung des Erlebten nicht statt. Für ihre Behandlungen, die sie auch zu Heilzwecken ausüben wollte, besaß die Angeklagte keine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz (§ 1 HeilprG).

 

Berufsfreiheit versus Gesundheitsschutz: Heilpraktikergesetz auslegen

Das mit der Entscheidung befasste Landgericht stellte zunächst klar, dass nicht jede Tätigkeit zu Heilzwecken der Erlaubnispflicht des HeilprG untersteht. Erlaubnispflichtig sei eine heilende Tätigkeit nur dann, wenn sie im konkreten Fall zumindest potenziell eine Gefährdung für die Gesundheit des Betroffenen darstelle.

Nur dann gestatte der notwendige Schutz der Allgemeinheit vor gesundheitlicher Gefährdung eine Einschränkung der Freiheit der Berufsausübung (Art. 12 GG).

 

Keine Gesundheitsbeeinträchtigung eingetreten erfolgt, trotzdem verurteilt

Im konkreten Fall konnte bei keiner der behandelten Personen eine Beeinträchtigung der Gesundheit festgestellt werden. Dennoch ging das Landgericht bei der von der Angeklagten angewandten Methode von einer möglichen Gefährdung der Gesundheit der Betroffenen aus.

 

Konfrontative Psychotherapie = erlaubnispflichtig

Das Landgericht stufte die von der Angeklagten angewandte Synergetik-Methode als Unterfall der konfrontativen Psychotherapie ein. Diese Therapieform kann nach Auffassung der Richter bei den Betroffenen erhebliche psychische Reaktionen auslösen, die nur ein psychologisch geschulter Therapeut angemessen beherrschen könne.

Bei nicht fachgerechter Reaktion könnten die psychischen Störungen der Betroffenen erheblich verstärkt werden. Diese Therapieform sei daher in jedem Fall erlaubnispflichtig.

Der BGH bestätigte daher die rechtlichen Erwägungen des Landgerichts und verwarf die von der Angeklagten eingelegte Revision, weil das erstinstanzliche Urteil nicht auf einem Rechtsfehler beruhe.

(BGH,  Urteil v 22.06.2011,  2 StR 580/10).

Aktuell

Meistgelesen