| Golfunfall

Unfallversicherung haftet nicht für plötzlichen Ausfallschritt

Abschlag ist kein Unfallereignis
Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

Fliehkräfte von Golfschlägern werden regelmäßig bewusst herbeigeführt und können - jedenfalls in Bezug auf den ausführenden Golfer selbst - nicht als Unfallereignis gewertet werden. Ein Bandscheibenvorfall allein hierdurch ist medizinisch auszuschließen.

Der Kläger war passionierter Golfer. Nach einem engagierten kraftvollen Abschlag unterlief ihm ein nicht geplanter, unwillkürlicher Ausfallschritt. Anschließend spürte der Kläger einen stechenden Schmerz in der Wirbelsäule. Die ärztliche Diagnose: Bandscheibenvorfall. Der Kläger führte diesen auf den von der Fliehkraft des Golfschlägers hervorgerufenen, von ihm nicht gewollten Ausfallschritt zurück, der zu einer plötzlichen Verrenkung der Wirbelsäule und damit zu dem Bandscheibenvorfall geführt habe.

 

Versicherung bestreitet ein Unfallereignis

 

Von seiner privaten Unfallversicherung verlangte der Kläger Leistungen nach dem Versicherungsvertrag. Nach Auffassung der Versicherung lag ein Unfallereignis nicht vor. Ein Unfallereignis zeichne sich dadurch aus, dass ein Geschehen unvermittelt und plötzlich eintrete, ohne dass der Versicherte dieses willentlich herbeigeführt habe. Der Kläger habe aber den Golfschlag bewusst ausgeführt und damit auch die hierdurch eintretende Fliehkraft des Golfschlägers bewusst in Kauf genommen. Hierbei handelte es sich nach Auffassung der Versicherung daher nicht um ein von außen eintretendes Ereignis.

 

Der Abschlag eines Golfers ist eine willentliche Tätigkeit

 

Das vom Kläger angerufene LG sowie das in zweiter Instanz zuständige OLG teilten die Auffassung der Versicherung. In einem Hinweisbeschluss machte das OLG deutlich, dass der Abschlag mit einem Golfschläger als eine vom Willen des Golfers getragene beabsichtigte Eigenbewegung zu werten sei. Den Faktor Fliehkraft habe der Golfer hierbei bewusst in Kauf genommen. Damit habe es sich um eine vom Kläger willentlich beherrschte Tätigkeit gehandelt. Dies sei geradezu das Gegenteil einer unerwarteten Einwirkung von außen, die ein Unfallereignis kennzeichne. Hierbei sei auch nicht völlig auszuschließen, dass es bereits im Rahmen der Schwungbewegung zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung gekommen sei. Nach den Erfahrungen des Senats könne ein Mediziner in einem Gutachten im Nachhinein nicht aufklären, auf welche Bewegung genau die schmerzhafte Bewegungseinschränkung zurückzuführen sei.

 

Als Fachsenat kann das OLG auch medizinische Fragen beurteilen

 

Der Senat ließ offen, ob ein durch den Abschlag und die hierbei entstandene Fliehkraft hervorgerufener anschließender Ausfallschritt noch der bewussten Eigenbewegung des Klägers zuzurechnen oder der Ausfallschritt als eine unbeabsichtigte Folge des Abschlags einzustufen sei. Die Behandlung dieser Frage hielt der Senat deshalb für unerheblich, weil selbst dann, wenn der anschließende Ausfallschritt nicht mehr in der Kontrolle des Klägers gelegen habe, hierin kein Unfallereignis zu sehen sei, das zu einem Bandscheibenvorfall hätte führen können. Der Senat habe sich als Fachsenat in unzähligen Fällen mit Bandscheibenvorfällen als Unfallfolge beschäftigt. Der Senat könne daher aus eigener Kenntnis ausschließen, dass ein solcher Bandscheibenvorfall überwiegend durch einen Ausfallschritt verursacht werden kann.

 

Bandscheibenvorfall setzt eine enorme Dynamik voraus

 

Wie dem Senat aus einer Vielzahl von Sachverständigengutachten bekannt sei, müsse einem traumatisch bedingten, isolierten Bandscheibenvorfall entweder eine starke axiale Komponente (schweres Heben) vorausgegangen sein oder es müssten durch eine sehr hohe Impulsgeschwindigkeit entstandene hohe Kräfte plötzlich auf die Wirbelsäule eingewirkt haben. Eine solche Dynamik, die zu einem Bandscheibenvorfall führen kann, könne ein bloßer Ausfallschritt nicht haben. Als überwiegende Ursache für den Bandscheibenvorfall komme der Ausfallschritt daher nicht in Betracht. Es könne daher offen bleiben, ob der Ausfallschritt noch vom Kläger beherrschbar gewesen sei oder als Folge unbewusster Eigendynamik einzustufen sei.

Aufgrund dieses Hinweisbeschluss hat der Kläger seine Klage zurückgenommen.

(OLG Hamm, Hinweisbeschluss v. 19.4.2015, 20 U 77/15)

Schlagworte zum Thema:  Unfallversicherung

Aktuell

Meistgelesen