20.12.2010 | allg. Zivilrecht

Unfall mit radelndem Geisterfahrer: Autofahrer haftet zu 50%

Ein Autofahrer muss jederzeit mit der verbreiteten und allgemein bekannten Disziplinlosigkeit von Radfahrern rechnen. Daher haftet dieser auch dann, wenn er einen Radfahrer anfährt, der in die falsche Richtung fährt.

Vorsicht: Undisziplinierte Radfahrerin

In dem vom OLG Celle zu entscheidenden Fall war die Klägerin auf dem Radweg einer Vorfahrtsstraße in falscher Richtung unterwegs. Der von links kommende Mercedes-Fahrer übersah die Radlerin, diese stürzte und brach sich den Fuß.

 

Wenn schon Geisterradler – dann bitte langsam!

Das Gericht sprach beiden Unfallbeteiligten eine Haftungsquote von 50 % zu.

  • Zum einen legte es der Klägerin zur Last, dass diese gegen die falsche Richtung den Radweg befahren hatte, was einen Verstoß gegen § 2 Abs. 4 S. 2 StVO darstellt.
  • Nach Ansicht der Richter hätte sie in Annäherung der Einmündung ihre Geschwindigkeit so drosseln müssen, dass sie ihr Rad sofort hätte bremsen können.

Dadurch wäre nach den Feststellungen des Sachverständigen eine Kollision auch vermieden worden.

 

Haftungsquote: Umstände des Einzelfalls sind zu berücksichtigen

Andererseits hatte der Beklagte aber unstreitig die Vorfahrt missachtet. Grundsätzlich haben sich Autofahrer auf Radfahrer, die den Radweg in falscher Richtung benutzen, einzustellen. Daher habe er vor Einfahren in den Bereich des deutlich gemachten Radwegs durch einen Blick nach rechts sicherstellen müssen, dass sich von dort kein Radfahrer nähert.

Darüber hinaus war dem Beklagten die Betriebsgefahr seines PKW anzurechnen, welche bei Radfahrern grundsätzlich nicht besteht. Ein überwiegender Verursachungsanteil von Radfahrern in ähnlich gelagerten Fällen wurde nur vereinzelt angenommen.

(OLG Celle, Urteil v. 28.04.2010, 14 U 157/09).

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