11.10.2011 | allg. Zivilrecht

Tor! Britische Pub-Wirtin zwingt mächtige Fußballliga in die Knie

Die Betreiberin des Pub “The Red, White and Blue“ im britischen Hafenstädtchen Portsmouth hat Fußball- und Rechtsgeschichte geschrieben. Mit der richtigen Intuition für ihre Rechte als Europäerin hat sie dem finanzstarken britischen Fußball eine herbe Niederlage mit Folgen für den gesamten europäischen Fußball verpasst.

Wirtin kam aus der Tief des Raums

Die Pub-Betreiberin hatte sich sehr geärgert, dass sie für die Übertragung der Fußballspiele in ihrem Pub an den britischen Bezahlfernsehsender BSkyB monatlich stolze 700 Pfund zahlen musste. Da ihre Gäste Wert auf die Übertragung der Spiele legen, konnte Karen Murphy auf die Übertragung aber nicht verzichten.

 

Der Ball ist rund - auch in Griechenland

Da kam der cleveren Wirtin eine Idee: Die britische Liga verkauft die Übertragungsrechte nicht nur auf der Insel, sondern auch ins europäische Ausland, so auch nach Griechenland.

Dort bietet der griechische Fernsehsender Nova den für den Empfang erforderlichen griechischen Decoder für umgerechnet ca. 800 Pfund jährlich an. Diesen Decoder erwarb Murphy und übertrug hierüber die Spiele in ihrem Pub.

Das Problem der griechischsprachigen Kommentierung löste sie durch Einschalten des englischsprachigen Hörfunks.

 

Britische Fußballliga ging Pub-Wirtin frontal an

Die Britische Liga untersagte der Wirtin die Nutzung des griechischen Decoders, was Karen Murphy nicht im Geringsten beeindruckte. Hierauf ging die Liga gerichtlich gegen die Wirtin vor. Die Liga vertrat den Standpunkt, der Verkauf der Senderechte an Griechenland sei exklusiv für die Bewohner Griechenlands für den dortigen Empfang erfolgt. Diese Exklusivrechte würden durch die Ausstrahlung in Portsmouth verletzt. Dieser Rechtsauffassung erteilte der EuGH nun eine klare Absage.

 

Britische League geschockt

Die EU-Richter stellten klar, dass eine Form der Lizensierung, die „Rundfunkanstalten eine gebietsabhängige Exklusivität für einzelne Mitgliedsstaaten einräumt und den Fernsehzuschauern untersagt, diese Sendungen in den anderen Mitgliedsstaaten mittels einer Decoderkarte zu empfangen“ nach EU-Recht nicht zulässig ist.

Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht für die Finanzierungspraxis des britischen Fußballs. Die britische Premier League erzielt mit dem Verkauf von Übertragungsrechten ins Ausland zeitweise fast so hohe Erlöse wie mit dem Verkauf der Rechte im eigenen Land. Es geht um Summen im Milliardenbereich. Die League fürchtet infolge des Urteils nicht verkraftbare Einnahmenausfälle.

 

Alarmstimmung auch in Deutschland

Auch bei deutschen Clubs herrscht bereits Alarmstimmung. Die Nervosität dürfte aber übertrieben sein. Die Fernsehrechte sind auch für die deutschen Clubs die wichtigste Einnahmequelle (rund 30 % der Gesamteinnahmen). Der Verkauf der Rechte ins Ausland spielt hierzulande aber eine wesentlich geringere Rolle als in England. Zudem haben die deutschen Vereine ein Urteil in dieser Art erwartet und sich bereits seit längerem hierauf vorbereitet. In ihren Auslandsverträgen haben sie bereits seit längerem Klauseln eingebaut, die für diesen Fall Neuverhandlungen zulassen.

 

Urteil lässt Hintertür offen

Juristen bezweifeln ohnehin, ob die Pub-Wirtin in Portsmouth nach dem EuGH-Urteil tatsächlich auf Dauer Spiele über den griechischen Decoder wird zeigen dürfen. Der EuGH stellt in seinem Urteil nämlich auch klar, dass die Urheberrechte auf Logos und Hymnen durch das Urteil nicht in Frage gestellt werden.

Wenn die League in ihre Übertragungen künftig solche Logos und/oder Hymnen einbauen würde, dürften diese bei öffentlichen Übertragungen nicht ohne weiteres gezeigt werden. Ob der Fußball mittels solcher „Tricks“ letztlich doch am längeren Hebel sitzt, bleibt abzuwarten.

(EuGH, Urteil v. 04.10.2011, Rechtssache C – 403/08 und C – 429/08).

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