04.04.2011 | allg. Zivilrecht

Stress im Flieger: harte Landung, schnarchender Sitznachbar, Sitzplatz-Probleme etc.

Nur fliegen ist schöner - lautete einst eine legendäre Opel GT-Werbung. Doch manchmal ist Fliegen überhaupt nicht schön: Ein Mitpassagier drängt sich vor, der Sitznachbar schnarcht oder stinkt und am Ende ist auch noch die Landung ultraholprig. Was sagen Anwalt und Richter dazu?

Die Zeiten, als Fliegen noch ein echtes Jetset-Vergnügen war, sind lange vorbei. Heute gibt es schon Fahrten mit Sesselbahnen die mehr Luxus bieten, als mancher Billigflieger-Transport. Trotzdem, manche Ärgernisse muss der Flugreisender nicht akzeptieren. Aussteigen ist schwierig, doch im Nachgang klagen ist möglich, allerdings ist nicht immer ein Schmerzensgeld oder Schadensersatz gewiss.

 

In schlechter Gesellschaft: Ärger mit dem Flugnachbarn

Wer einen schnarchenden Mitreisenden an seiner Seite hat, hat Pech gehabt. Schnarchende Fluggäste stellen keinen Reisemangel dar, so das AG Frankfurt (Urteil v. 30.08.2001, 31 C 842/01-83). Dies sei nur eine Unannehmlichkeit, egal ob Economy oder Business-Class.

Anders kann es aber bei starkem Schweißgeruch aussehen. Eine Passagierin hatte sich bei dem Kabinenpersonal über den Schweißgeruch ihres Sitznachbarn beschwert, welcher von den Flugbegleitern bestätigt wurde. Daraufhin verwies der Pilot den Fluggast - wohl noch auf der Erde aus - dem Flugzeug. Zu Recht, urteilte das OLG Düsseldorf. Ein Pilot darf in Ausübung seiner Hoheitsrechte wegen starkem Schweißgeruch einem Passagier den Mitflug verweigern (Urteil v. 31.01.2007, 18 U 110/06).

 

Unsanfte Landung

Bei einer holprigen Landung hat der Passagier keinen Anspruch auf Schmerzensgeld gem. Art. 17 Abs. 1 MÜ (Übereinkommen von Montreal) oder nationalem Recht, auch wenn er dadurch Verletzungen erlitten hat.

Dies geht aus einer Entscheidung des Landgerichts Düsseldorf (Urteil v. 12.10.2007, 22 S 240-07) hervor. Eine harte Landung mit einem starken Bremsvorgang sei nur als besonderes Ereignis und nicht als Flugunfall zu werten, so die Richter.

 

Reise-Thrombose

Auch im Fall einer sog. „Reise-Thrombose“ steht dem Flugpassagier kein Schmerzensgeld zu. Die Klage eines Reisenden, bei welchem sich bei zwei Langstreckenflüge ein Blutgerinnsel in den Beinen gebildet hatte, wurde abgewiesen. Des Weiteren ist die Fluggesellschaft nicht verpflichtet, auf eine Thrombosegefahr hinzuweisen (OLG Frankfurt, Urteil v. 6.11.2002, 23 U 243/01).

 

Sitzplatzverteilung: Reihenfolge am Check-In entscheidend

Üblicherweise werden die Sitzplätze nach der Reihenfolge am Check-In Schalter vergeben. Kommt man an Letzter, hat man hinsichtlich der Sitzplatzverteilung Pech gehabt. Ein Anspruch darauf, im Flugzeug nebeneinander zu sitzen, besteht nicht. Dies gilt auch für Familien mit kleinen Kindern (AG Düsseldorf, Urteil v. 7.03.2002, 50 C 18568/01).

 

Kreditkarte ist für den Flugantritt keine notwendige Reiseunterlage

Die Fluggesellschaft ist nicht berechtigt, einem Passagier den Mitflug zu verweigern, nur weil dieser seine Kreditkarte nicht bei sich führt (LG Frankfurt/Main, Urteil v. 27.01.2011, 2-24 O 142/10). Eine Kreditkarte sei ein Zahlungsmittel und keine Reiseunterlage, so das LG Frankfurt/Main.

Einem Fluggast, der seinen Flug mit einer Kreditkarte gebucht hatte, war die Mitnahme verweigert worden, weil er seine Kreditkarte nicht vorzeigen konnte. Diese war ihm aus Sicherheitsgründen von seinem Kreditinstitut einige Tage zuvor eingezogen worden. 

Aktuell

Meistgelesen