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Spritzwasserrisiko: Autofahrer dürfen Fußgänger ungestraft nass spritzen

Auch schon erlebt? Man kämpft sich zu Fuß durch Wind und Regen, der Schirm wendet seine Speichen gerade funktionswidrig in Richtung Himmel und da: „Wuusch!“, ein dicker LKW verpasst Ihnen seitlich noch einen vollen Wasserschwall – nass vom Schuhwerk bis zum Kragen. Das ist leider rechtmäßig.

Tempo trotz Pfütze nicht gedrosselt

Im Februar des vergangenen Jahres war bei Tauwetter eine Durchgangsstraße in Büsum von Wasserlachen durchsetzt. Bedingt durch Tauwetter hatte sich an einer Stelle regelrecht ein kleiner Teich gebildet. Hier befanden sich der Kläger und seine Ehefrau als Fußgänger.

Der Beklagte durchfuhr mit seinem Fahrzeug just in diesem Moment die Wasserlache. Das Tempo seines Fahrzeugs hatte er nicht gedrosselt. Der Kläger und seine Ehefrau wurden von einem riesigen Wasserschwall getroffen, so dass ihre gesamte Kleidung verdreckte und gereinigt werden musste. Die Kosten der Reinigung verlangten sie von dem Fahrer ersetzt.

 

Keine Pflicht vor Wasserlachen langsamer zu werden

Das zunächst mit der Entscheidung befasste AG sah kein Verschulden des Kfz-Führers. Autofahrer seien nicht verpflichtet, Wasserlachen mit Schrittgeschwindigkeit zu durchfahren, um eine Beeinträchtigung von Fußgängern zu vermeiden.

Andernfalls könnten bei entsprechenden Wetterverhältnissen ganze Ortschaften nur noch im Schritttempo durchfahren werden. Fußgänger müssten bei solchen Wetterverhältnissen vielmehr damit rechnen bespritzt zu werden und sich durch entsprechende Kleidung schützen. Trotz des geringen Streitwertes von 40 EUR hatte der Amtsrichter die Berufung wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache zugelassen. Seine Entscheidung wurde aber vom LG gestützt.

 

Unfallgefahr durch Bremsungen

Als wesentlich für seine Entscheidung sah das Berufungsgericht auch die bei einer Bremspflicht entstehende Unfallgefahr an. Sei nämlich der KfZ-Führer gehalten, vor Wasserlachen sein Tempo zum Schutz der Fußgänger zu drosseln, drohten unverhoffte Bremsmanöver, die den nachfolgenden Verkehr gefährdeten. Die Gefahr von Auffahrunfällen würde deutlich erhöht.

 

Fußgänger tragen Spritzwasserrisiko

So blieben die beiden Fußgänger auf ihren Reinigungskosten sitzen. Dem Fußgänger wird somit das alleinige Risiko eines Schadens durch Spritzwasser aufgebürdet.

(LG Itzehoe,  Beschluss v 24.02.2011,  1 S 186/10).

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