19.09.2013 | Serie Probleme beim Reisen

Sind schlechtes Wetter und feuchtfröhliche Gäste im Hotel Reisemängel?

Serienelemente
Schönen Urlaub!
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Spektrum der Urlaubsmängel, für das Reiseveranstalter haftbar gemacht werden können, ist enorm. Das Verhalten der Natur hat der Reiseveranstalter allerdings ebenso wenig in der Hand wie das Benehmen anderer Hotelgäste. Deshalb kann er dafür auch regelmäßig nicht verantwortlich gemacht werden. Anders ist es, wenn auf einer Kulturreise statt Anna Netrebko Cecilia Bartoli trällert. Das gilt ganz uncharmant als Mangel.

Für den Reisenden kann schlechtes Wetter durchaus den Wert der Reise erheblich beeinträchtigen. Ein Reisender buchte bei Airtours-TUI eine Reise zu einem Traumstrand auf den Seychellen, für den auch der Reiseprospekt mit regelmäßig traumhaftem Wetter warb. Kostenpunkt für seine Frau, seine Tochter und sich: 27.000 EUR. Während fast der gesamten Urlaubszeit plagte äußerst stürmisches Wetter das Reisegebiet, so dass Baden und Schnorcheln praktisch nicht möglich waren. Aus Sicht des Vaters waren diese Beschäftigungen Hauptzwecke der Reise. Da diese nicht erreicht werden konnten, forderte er vom Veranstalter 25 % des Reisepreises zurück.Kataloginformation zum Wetter ist nicht Vertragsbestandteil

Grundsätzlich werden Kataloginformationen - zum Beispiel zur Beschaffenheit des Urlaubshotels - in der Regel als Bestandteil der reisevertraglichen Vereinbarungen angesehen. Nach Auffassung des mit dem Fall befassten LG gilt dies jedoch nicht für Angaben zum Wetter am Urlaubsort.

Beim Wetter handele sich um ein natürliches Risiko, das jeder Reisende selbst zu tragen habe und für das der Reiseveranstalter mangels Einflussmöglichkeit nicht verantwortlich sei. Ein verständiger durchschnittlicher Reisender könne grundsätzlich nicht davon ausgehen, dass Angaben zum Wetter für den Reiseveranstalter verbindlich seien in der Form, dass bei Abweichungen Regressansprüche für den Reisenden entstünden. (LG Hannover, Urteil v. 17.08.2009, 1 O 209/07).

Moskitos und Giftschlangen

In die Reihe der Naturereignisse gehören auch stechende Moskitos in den Tropen, die die Urlaubsfreude nachhaltig beeinträchtigen können aber keinen Reisemangel darstellen (LG Hamburg, Urteil v. 15.01.1997, 302 S 112/96). Ähnliches gilt für das gelegentliche Auftauchen von Giftschlangen in Afrika, mit denen man selbst im Hotelzimmer rechnen muss (LG Frankfurt, Urteil v. 10.04.1997, 2/24 S 195/96).

Russen im Hotel sind kein Reisemangel

Russen im Hotel gehören zwar nicht zur Kategorie der Naturereignisse wie schlechtes Wetter oder Giftschlangen, dennoch kann der Veranstalter auch auf deren Verhalten nur wenig Einfluss nehmen. Einen Reisemangel begründet der Aufenthalt anderer Nationalitäten im Hotel jedenfalls regelmäßig nicht, selbst wenn ihr Gästeanteil über 80 % beträgt (LG Düsseldorf, Urteil v. 31.08.2009, 22 S 93/09).

Schlechtes Benehmen oder rüpelhaftes Verhalten anderer Gäste sind nach Auffassung des LG auch nicht typisch für bestimmte Nationalitäten und im übrigen Gegenstand äußerst subjektiver Werturteile. Dies gilt auch, wenn aus Sicht des Reisenden andere, „einfacher strukturierte Hotelgäste“ zum Abendessen in Badekleidung erscheinen, Schweißgeruch aus Richtung ihrer Achselhöhlen ausströmt und sie beim Essen schmatzende und rülpsende Geräusche von sich geben. Ein Recht zur Minderung des Reisepreises folgt hieraus nicht (AG Hamburg, Urteil v. 07.03.1995, 9 L 2334/94). 

Cecilia Bartoli als Reisemangel

In die Reihe der eher kuriosen Urteile gehört auch, dass das Auftreten der Sängerin Cäcilia Bartoli als Reisemangel gewertet wurde. Diese Entscheidung ist allerdings nicht ihrer etwa mangelhaften Stimme geschuldet. Einen Mangel sah das Gericht dahin, dass Bartoli anstelle der ursprünglich angekündigten Anna Netrebko auftrat. Dies war dem Gericht eine Minderung von 40 % des Reisepreises wert (LG Hannover, Urteil v. 23.06.2009,18 S 74/08). Der Höhepunkt einer fünftägigen Toskana-Reise (Preis pro Person 2.286 Euro ohne Anreise) sollte ein Konzert sein, bei dem unter anderem ein Auftritt der weltbekannten Sopranistin Anna Netrebko geplant war.

Schlagworte zum Thema:  Reisevertrag, Reiserecht

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