| Sicherungsschein für Pauschalreisen

Was bei einer Pauschalreise alles schief gehen kann

Bild: Haufe Online Redaktion

Endlich Urlaub, jetzt kommt Entspannung pur. Eine Pauschalreise mit allem Zipp und Zapp, „All - Inclusive“ in der Ägäis. Dann das jähe Erwachen: Das Hotel verlangt plötzlich Bezahlung der weiteren Leistungen, der Rückflug ist storniert, der Reiseveranstalter pleite.

Dem Urlauber bleibt zunächst nichts anderes übrig, als die weiteren Übernachtungen zu bezahlen und selbst für seine Rückreise zu sorgen. Nicht nur die Buchung kostet, das Ganze ist auch mit erheblichem zeitlichem Aufwand und weiteren Kosten, beispielsweise für die Taxifahrt zum Flughafen u.ä. verbunden. Wie soll der Reisende sich in solchen Fällen verhalten?

Gesetzlicher Erstattungsanspruch

Seit dem Jahre 1994 geniest der Reisende bei Pauschalreisen einen besonderen Schutz. Gemäß § 615 k BGB hat der Gesetzgeber in Umsetzung der Richtlinie 90/314/EWG bestimmt, dass der Reiseveranstalter den Reisenden gegen Insolvenzfolgen zu schützen hat. Hiernach ist er verpflichtet, das Risiko der Insolvenz bei einem geeigneten Versicherer abzusichern und so dem Kunden einen unmittelbaren Anspruch auf Ersatz dieser Kosten gegen den Versicherer zu verschaffen. Zum Nachweis hat der Veranstalter dem Reisenden einen sog. Sicherungsschein auszuhändigen.

Wichtig: Der Sicherungsschein ist

  • im Original
  • vor Zahlung des Reisepreises

    zu übergeben.

Der Reisende sollte unbedingt die im Schein eingetragene Gültigkeitsdauer überprüfen und dieses Dokument auf der Reise mit sich führen.

Insolvenz vor Reisebeginn

In diesem Fall sollte der Kunde zunächst versuchen, mit dem Insolvenzverwalter Kontakt aufzunehmen, um zu erfahren, ob dieser die Reise durchführen lässt. Falls nicht, sollte er unverzüglich den auf dem Sicherungsschein genannten Versicherer anschreiben und diesen unter Vorlage der Reisedokumente (zunächst in Kopie) auffordern, bereits geleistete Zahlungen zurück zu erstatten.

Insolvenz nach angetretener Reise

Nicht selten verlangen die Hotels die Bezahlung weiterer Leistungen durch den Urlauber, die Fluggesellschaften verweigern häufig den Rückflug. Hier bleibt dem Reisenden nichts anderes übrig, als in Vorlage zu treten. Die zusätzlichen Übernachtungs- und Verpflegungskosten, soweit sie durch Zahlung des Reisepreises abgedeckt waren sowie die Kosten des Rückfluges werden gegen Vorlage entsprechender Belege von der Versicherung erstattet. Deshalb: Jede Zahlung quittieren lassen. Wichtig: Erstattungsfähig sind nur notwendige Kosten. Nicht notwendig ist i.d.R. die Anmietung einer deutlich höherwertigen Unterkunft. Auch für vertane Urlaubszeit gibt es i.d.R. keine Entschädigung.

Gesetzeslücken

Die gesetzliche Regelung enthält einige Lücken, die aber peu a peu von den Gerichten geschlossen werden. So besteht nach einem Urteil des EuGH der Insolvenzschutz des Reisenden auch bei einer gesetzlich nicht ausdrücklich geregelten betrügerischen Insolvenz des Veranstalters. Nach einer Entscheidung des BGH kann der Kunde auch dann den Reisepreis vom Versicherer erstattet verlangen, wenn der nicht insolvente Veranstalter eine Reise mangels ausreichender Nachfrage absagt und er infolge einer später eintretenden Insolvenz den bereits geleisteten Reisepreis nicht zurück erstatten kann (EuGH, Urteil v. 16.02.2012, C 134/11; BGH, Urteil v. 02.11.2011, X ZR 43/11).

Vgl. zum Thema Reiserecht:

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Schlagworte zum Thema:  Reiseveranstalter, Reiserecht, Pauschalreise, Insolvenz

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