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Setzen: sechs! Schülerin kannte Prüfungsergebnisse zu gut

Lernen ist gut, schummeln dagegen gefährlich
Bild: Haufe Online Redaktion

Eine Schülerin wollte Einsen für ihre Realschulklausuren einklagen, die über ihren Wechsel auf das Gymnasium entscheiden sollten. Das Gericht bescheinigte ihr erneut Sechsen wegen Täuschung: Die Übereinstimmung mit den Lösungsskizzen für die Korrekturen sprangen zu stark ins Auge, um Raum für anderes als eine Täuschung zu lassen.

Oft ist die Rede davon, welche Opfer Familien etwa in Asien für einen guten Schulabschluss ihrer Kinder bringen. Doch auch in Deutschland entwickelt sich die erfolgreiche Schullaufbahn der Kinder zunehmend zu einem Altar, auf dem manche Eltern viel zu opfern bereit sind. Die Umsätze der Nachhilfebranche machen dies deutlich. Doch nicht immer ist der Einsatz von Erfolg gekrönt.

Wissensvorsprung vorgespiegelt und verspielt?

Das klagende Schulmädchen hatte bei drei Klausuren in den Fächern „Englisch“, „Deutsch“ und „Mathematik“  sehr schlechte Note erhalten, weil sie die Ergebnisse vorab gekannt haben soll. Bei der Korrektur war den Lehrern der Schule in Hünfeld (Fulda) aufgefallen, dass die hervorragenden Antworten teils exakt mit den Musterlösungen für die Aufgabe übereinstimmten.

Sie fiel nicht nur bei den Korrekturen ihrer Arbeit durch, auch das Verwaltungsgericht Kassel wies die Klage der Schülerin gegen die fatale Benotung ab.

Markante Übereinstimmungen mit den Lösungshinweisen für die Korrektoren

Das Gericht befand, die Schülerin müsse Kenntnis von den Lösungsmustern gehabt haben, andernfalls seien die auffälligen Übereinstimmungen nicht zu erklären, zumal ihre Prüfungsleistungen mit dem zuvor von ihr gezeigten Leistungsstand nicht in Einklang zu bringen seien.

Es ließ sich auch mit davon leiten, dass die Schülerin während des laufenden Schuljahres im Rahmen einer Hausarbeit im Fach „Deutsch“ Teile aus dem Internet verwendet habe, ohne diese kenntlich zu machen.

Der Vater der Schülerin - ehemaliger Büroleiter im Staatlichen Schulamt Fulda - stand im Verdacht, seiner Tochter die Ergebnisse gegeben zu haben.

Vater arbeitete beim Schulamt

Gegen ihn hatte die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses und der Geheimhaltungspflicht erhoben. Das Amtsgericht Fulda sprach ihn allerdings aus Mangel an Beweisen frei, sah es aber auch als erwiesen an, dass die Schülerin die Lösungen kannte.

Herkunft der Unterlagen irrelevant

Das Verwaltungsgericht Kassel betonte, es habe allein die Frage klären müssen, ob eine Täuschungshandlung vorliege und nicht, woher die Unterlagen kamen. Die Tatsache, dass der Vater der Schülerin von dem Vorwurf, ihr die maßgeblichen Unterlagen beschafft zu haben, freigesprochen wurde, sei für die Entscheidung ebenso ohne Belang wie der Weg, auf dem die Schülerin letztlich in den Besitz der Handreichungen gelangte. Es ließ eine Berufung zum Hessischen VGH zu.

(VG Kassel, Urteil v. 6.4.2011, 3 K 1304/09.KS).

Vgl. zu dem Thema auch:

Sitzengeblieben? Versetzung gefährdet? Zeugnisvergabe ist kein rechtsfreier Raum

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