20.09.2012 | Top-Thema Reiserecht: Ärger auf Reisen

Rechte von Flugreisenden

Kapitel
Verspätungen können für die Fluggesellschaft teuer werden
Bild: Haufe Online Redaktion

Besonders hilflos fühlen sich Reisende, wenn sie auf dem Flughafen stranden und es nicht vor und nicht zurück geht oder es Ärger mit dem Gepäck gibt.

Die Fluggastrechte sind EU-weit einheitlich in der Verordnung 261/2004/EG geregelt:

  • Bei Verspätungen von 2 Stunden oder mehr hat der Reisende Anspruch auf Erfrischungen und Speisen sowie auf kostenfreies Telefonieren in angemessenem Umfang.

  • Bei Verspätungen von 5 Stunden und mehr kann der Reisende die Reise abbrechen und Ersatz der Flugkosten von der Fluggesellschaft verlangen.

  • Darüber hinaus hat der Fluggast einen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung von:

- 250 EUR bei einer Verspätung von mehr als 2 Stunden und einer Flugstrecke bis 1500 km,

400 EUR  bei einer Verspätung von mehr als 3 Stunden und einer Flugstrecke von bis zu 3500 km,

600 EUR bei einer Verspätung von 4 Stunden und einer Flugstrecke von mehr als 3500 km außerhalb der EU sowie bei Annullierung des Flugs.

Nach einem Urteil des EuGH (Urteil v 19.11.2009, C - 402/07 u. C - 432/07) können Fluggäste bei verspäteter Ankunft von 3 Stunden und mehr Ausgleichszahlungen wie bei der Flugannullierung verlangen. Voraussetzung der Ansprüche ist immer, dass die Durchführung des Flugs durch eine in der EU ansässige Fluggesellschaft erfolgt und der Start- oder der Zielflughafen innerhalb der EU liegt. Ferner darf die Verspätung oder Annullierung nicht auf einem unvorhersehbaren Ereignis beruhen, auf das die Fluggesellschaft keinen Einfluss hat. Dies können Naturkatastrophen, politische Unruhen oder auch ein Pilotenstreik sein. In diesen Fällen besteht kein Anspruch auf die Entschädigungsleistung.

Kündigungsrecht

Der Pauschalflugreisende kann die Reise wegen einer Verspätung nicht ohne weiteres kündigen. Dieses Recht hat er nach § 651j BGB erst, wenn die Reise wegen höherer Gewalt erheblich gefährdet wird. Bei einer Verlegung der Flugtermine um eine erhebliche Zeitspanne, z. B. Rückflug von 16.40 Uhr nachmittags auf 5.15 Uhr morgens (Abholung im Hotel um 1.25 Uhr), kann der Urlauber Abhilfe verlangen und bei Nichtabhilfe auf Kosten des Veranstalters einen späteren Flug buchen (EuGH, Urteil v 19.11.2009, C - 402/07 u. C - 432/07).

Gepäck nicht im Flieger

Ärgerlich ist es auch, wenn man nach A fliegt, das Gepäck aber durch ein Versehen in B landet. Das Luftfahrtunternehmen hat grundsätzlich den Schaden zu ersetzen, der durch Zerstörung, Verlust, oder die verspätete Beförderung von Reisegepäck entsteht. Kommt der Koffer eine Woche zu spät am Urlaubsort an, hat der Reisende das Recht, sich notwendige Ersatzkleidungsstücke am Urlaubsort auf Kosten der Fluggesellschaft zu beschaffen. Er muss den Verlust allerdings unverzüglich melden, am besten noch auf dem Flughafen am Flugschalter.

Die Haftung der Fluggesellschaft gilt für reguläres Gepäck verschuldensunabhängig; für Handgepäck haftet das Unternehmen dagegen nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit. Für die Rolex im Koffer haftet die Fluggesellschaft nur, wenn der Wert bei Aufgabe des Koffers deklariert wurde. Diese (meist kostenpflichtige) Wertdeklaration sollte jeder abgeben, der größere Wertsachen mit sich führt.

Schlagworte zum Thema:  Flugreise, Verspätung, Ausgleichszahlung, Reiserecht

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