Klassische Reisemängel

Bei einem verdorbenen Urlaub gibt es als Ursache einige Klassiker: Hierzu gehören kleine Krabbeltiere, wie die Ameisen im Bett ebenso wie die lärm- und staubintensive Baustelle vor dem Hotel oder nächtlicher Discolärm, der Schlaf bis 2 Uhr morgens zu einer vergeblichen Hoffnung werden lässt.

In diesen Fällen ist der Reisende zur Minderung des Reisepreises, in schwerwiegenden Fällen auch zur Forderung von Schadenersatz und Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit berechtigt. Folgende als Orientierung dienende Fälle seien genannt:

  • Hotel baulich unfertig, andauernde Bauarbeiten: 50 % Minderung (LG Frankfurt, Urteil v. 6.1.2011, 2-24 S 61/10).
  • Wegen Überbuchung Unterbringung in Ersatzhotel: 30 % Minderung (LG Köln, Urteil v. 8.3.2005, 11 S 81/04).
  • Zimmer verschmutzt und unappetitlich: 60 % pro betroffenen Urlaubstag( OLG Frankfurt, Urteilv 30.11.2000, 16 U 60/00).
  • Pool nicht benutzbar: 20 % (AG Bad Homburg,Urteil v. 13.8.2002, 2 C2747/01).
  • 73 % des Reisepreises bei sehr kurzfristig abgesagter Kreuzfahrt (BGH, Urteil v. 29.05.201818,X ZR 94/17).
  • Fehlende Disco: 5 % (OLG Düsseldorf, Urteil v10.12.2003, 18 U 97/03).

Orientierungshilfen für die Bestimmung der Höhe der Minderungsquoten gibt die Frankfurter Tabelle, die geordnet nach Mängelgruppen, eine große Zahl von Einzelentscheidungen aufführt.


Was ist beim Geltendmachen von Reisemängeln zu beachten?

Zügig monieren: Voraussetzung für die Geltendmachung dieser Rechte ist immer das sofortige Abhilfeverlangen direkt am Urlaubsort sowie die Geltendmachung der Ersatzansprüche innerhalb 1 Monats nach dem vertraglichen Reiseende (§§ 651c, 651g BGB).

Kommt der Reiseveranstalter dem Abhilfeverlangen nicht nach, kann der Reisende selbst für Abhilfe sorgen. Die Kosten hierfür, z. B. für den Umzug in ein anderes Hotel, kann er als Schadensersatz nach § 651f Abs. 1 BGB geltend machen. Der Ersatzanspruch ist allerdings ausgeschlossen, wenn der Reiseveranstalter nachweisen kann, dass er den Reisemangel nicht zu vertreten hat. Im Falle eines Mangels kann der Reisende vom Veranstalter gem. § 651 c II S. 1 BGB bzw. §§ 651 i III Nr. 1, 651 k I BGB-E Abhilfe verlangen, soweit dies nach § 651 c II 2 BGB bzw. § 651 k I 2 BGB-E nicht mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden oder nicht unmöglich (§ 275 BGB) ist.

Voraussetzung der Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit

Die Geltendmachung von Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit nach § 651 n Abs. 2 BGB (früher § 651f Abs. 2 BGB )setzt voraus, dass die Reise erheblich beeinträchtigt wurde. Als Anhaltspunkt kann gelten, dass eine Minderung von über 50 % des Reisepreises gerechtfertigt ist.

In diesen Fällen ist der Reisende zur Minderung des Reisepreises, in schwerwiegenden Fällen auch zur Forderung von Schadenersatz und Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit berechtigt.

Schlagworte zum Thema:  Schadensersatz, Entschädigung