21.09.2010 | allg. Zivilrecht

Museum muss gestohlenes Gemälde zurückgeben

Kunsterwerb aus dubiosen Quellen nach dem Motto "Augen zu und durch" ist zumindest für ein Museum keine gute Idee. Waren die Kaufumstände fragwürdig, kann es noch viele Jahre später heißen: "Her mit dem Bild" - und der Kaufpreis ist versenkt. Das musste auch der Kustos des Landesmuseum Hannover erfahren - und hätte es eigentlich wissen können.

Peinlich und teuer: Das Landesmuseum Hannover muss ein in Paris gestohlenes Bild nach langem Rechtsstreit zurückgeben, denn es hat kein wirksames Eigentum an dem Gemälde "Il Miraculo di Sant Antonio" des italienischen Malers Giovanni Battista Tiepolo erworben.

Das wertvolle Gemälde war unter dubiosen Umständen nach Deutschland gekommen. Das Museum hatte lange versucht, das zu vertuschen.

 

Bild zurück, an den bestohlenen Eigentümer

Mehr als 30 Jahre nach dem Diebstahl eines wertvollen Gemäldes in Paris muss das Landesmuseum Hannover das unter dubiosen Umständen angekaufte Werk zurückgeben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die frühere Klägerin das Bild von ihrem Vater als Teil seiner Sammlung Modiano geerbt habe und dass es ihr um die Jahreswende 1978/1979 aus ihrer Pariser Wohnung gestohlen worden sei.

Ausschlaggebend waren dafür u.a. Dokumente, aus denen sich ergab, dass sie seinerzeit den Diebstahl des Bildes angezeigt hatte. Einen fingierten Diebstahl schloss das Gericht aus, da das Bild nicht versichert gewesen sei.

Das OLG Celle verurteilte das Museum am dazu, das 1979 entwendete Bild des venezianischen Malers an den Testamentsvollstrecker der verstorbenen Eigentümerin herauszugeben. Vorangegangen war ein neunjähriger Rechtsstreit. Der Senat hob damit ein Urteil des Landgerichts Hannover auf.

 

16 Jahre hing der Tiepolo im Landesmuseum

16 Jahre hing das Gemälde im Landesmuseum, bis 2001 ein Enkel der Eigentümerin erfuhr, wo sich das Tiepolo-Werk befindet. Die Familie verklagte das Museum auf die Herausgabe des Werkes mit dem Titel «Die Wunderheilung des zornigen Sohnes». Das Gericht gelangte zu der Überzeugung, dass das Landesmuseum im Jahre 1985 nicht gutgläubig Eigentum von der französischen Verkäuferin, einer Kunstmalerin, hat erwerben können.

  • Der Kustos des Landesmuseums hatte es sechs Jahre nach dem Diebstahl in der französischen Hauptstadt gekauft.
  • Dabei hätte er «aufgrund der für einen Kunsterwerb ungewöhnlichen Kaufumstände Verdacht auf eine zweifelhafte Herkunft des Gemäldes schöpfen müssen»,

heißt es in der Urteilsbegründung.

 

Nicht guten Glaubens gewesen: zwischen zwei Buchdeckeln am Zoll vorbei transportiert

Das Museum hätte das Werk nicht guten Glaubens von einer Kunstmalerin kaufen können. Die Französin hatte das Gemälde kurz nach dem Diebstahl für 60 000 Franc gekauft und später für das rund 16-fache an den Kustos weiter veräußert. Die Frau war keine Kunsthändlerin und behauptete, sie habe Kauf und Verkauf für redlich gehalten. Das Gemälde war dann auf fragwürdige Weise nach Deutschland gekommen. Zwischen zwei Buchdeckeln transportierte ein Bote das Bild in einer Reisetasche am Zoll vorbei nach Hannover.

  • Das Land habe nicht beweisen können, dass es sich über die Seriosität der Verkäuferin vergewissert hatte.
  • Zudem hatte der Kaufpreis von einer Million Franc - das entsprach rund 328 000 D-Mark - erheblich unter dem damaligen tatsächlichen Wert gelegen.

Jahrelang hatte das Landesmuseum behauptet, nicht zu wissen, wie das Gemälde von Paris nach Deutschland gelangt ist. Doch nach Überzeugung des Senats wusste es das genau.

(OLG Celle, Urteil v. 17. September 2010, 4 U 30/08) .

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