06.05.2010 | allg. Zivilrecht

Mithaftung bei Grillunfall mit Spiritus: mitgegangen, mitgefangen

Heiße Sache: Bei einem Grillunfall haften alle Anwesenden, wenn jemand Spiritus ins Feuer gießt und niemand von den Anwesenden widerspricht.

Wer eine Gefahrenquelle mit entstehen lässt, wir auch zur Rechnung gebeten.

 

Gemeinsame Spirituseinsatzplanung und -durchführung

Erleidet einer der am Grillvorhaben Beteiligten durch den Spiritus schwere Brandverletzungen, muss sich, bei gemeinsamer Spirituseinsatzplanung und -durchführung

  • der Verletzte ein Mitverschulden entgegen halten lassen;
  • die Übrigen bilden als fahrlässige Nebentäter eine Haftungseinheit und haften dem Geschädigten auf Ersatz.

 

Grillfete von 5 Jugendlichen: 2. Schuss Spiritus ging daneben

In dem Fall grillten fünf Jugendliche hinter einem Bahndamm. Zwecks Beschleunigung des Feuers entschloss man sich dazu, eine Flasche flüssigen Brennspiritus zu besorgen, was durch zwei der Jugendlichen geschah.

Der erste Schuss Spiritus zeigte keine Wirkung. Nach dem zweiten loderte eine Stichflamme auf. Der Griller ließ die Flasche erschrocken zu Boden fallen, auf die Jacke eines anderen Jungen gelangte Spiritus. Sie fing Feuer, und der Junge erlitt schwere Brandverletzungen.

 

Wer schweigt ist mitschuldig

Die Haftpflichtversicherung des Grillers verlangte nun einen Teil der Kosten von dem verletzten Jungen zurück - und das Gericht entschied, er müsse für ein Achtel der Kosten aufkommen, erläutert der Anwaltverein.

Denn die Jugendlichen hätten gemeinsam beschlossen, das Feuer mit Spiritus zu beschleunigen. Der Verletzte hatte nach dem ersten Schuss Spiritus zwar noch sinngemäß gesagt, es würde reichen. Um nicht haften zu müssen, hätte er den Worten aber Taten folgen lassen müssen - er hätte eingreifen und die Gefahr abwenden müssen.

(OLG Hamm, Urteil v. 9 U 129/08, 9 U 129/08).

 

Es fragt sich allerdings, ob die Sache gut gehen wird, wenn 8 Jugendliche am Grill um eine Spiritusflasche raufen...

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