| Misshandlung von Schutzbefohlenen

Lebenswichtige Medikamente nicht verabreicht – Drei Jahre Haft

Der Junge lebte drei Jahre ohne medizinische Versorgung
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Urteil gegen den „Guru von Lonnerstadt“ und die Mutter des Geschädigten ist nun vom BGH bestätigt worden und damit rechtskräftig. Das Paar hatte dem schwerkranken dreizehnjährigen Sohn die notwendige medizinische Behandlung verwehrt und stattdessen alternative Heilmethoden angewandt.

Mukoviszidose des Sohnes wurde nicht mehr behandelt

Der Sohn der Angeklagten litt seit frühester Kindheit an der unheilbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, welche dauerhaft ärztlich behandelt werden muss, um ein Fortschreiten der Krankheit möglichst zu verhindern. Als das Kind 13 Jahre alt war, zog die allein sorgeberechtigte Mutter mit ihm und seinen zwei Geschwistern zu dem in den Medien bezeichneten „Guru von Lonnerstadt“. Ende 1999 setzte das Paar die medikamentöse Behandlung ab und erklärte dem Geschädigten, dass seine Krankheit bis zu seinem 18. Geburtstag durch Meditation und Fasten geheilt werden könne.

Zustand des Kindes war zum Schluss lebensbedrohlich

In den drei Jahren ohne medizinische Versorgung verschlechterte sich der Zustand des Jungen dramatisch. Er magerte bis auf 28 Kilo ab und seine Lungen wurden teilweise irreversibel geschädigt. Zuletzt war seine körperliche Verfassung so schlecht, dass dies ohne weitere Nichtbehandlung innerhalb kürzester Zeit zum Tode geführt hätte. Er flüchtete schließlich mit knapp 16 Jahren zu seinem leiblichen Vater und zeigte 10 Jahre später seine Mutter und deren Partner an.

Vorsätzliches Quälen durch Unterlassen

Das Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilte das Paar zu drei Jahren Haft wegen (schwerer) Misshandlung von Schutzbefohlenen. Der BGH bestätigte nun das Urteil und verwarf die Revisionen der Angeklagten. Das Verhalten der Angeklagten bewertete das Landgericht zu Recht als ein bedingt vorsätzliches Quälen durch Unterlassen, so der Senat. Beide hätten dem Geschädigten die notwendige ärztliche, therapeutische und medikamentöse Behandlung zukommen lassen müssen, notfalls auch gegen seinen Willen. Auch hinsichtlich der Strafzumessung waren Rechtsfehler nach Auffassung der Karlsruher Richter nicht ersichtlich.

 (BGH, Urteil v. 4.8.2015, 1 StR 624/14)

Schlagworte zum Thema:  Medikament, Anzeige, Unterlassene Hilfeleistung

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