17.12.2010 | Schulrecht

Lehrer darf Note zum Nachteil des Schülers aufrunden

Kann man mit Hilfe des Gerichts als ungerecht empfundene Noten gerade biegen?
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Notengebung in der Schule muss sachgerecht und nachvollziehbar sein. Das bedeutet aber nicht, dass sie rechnerisch immer auf den Punkt genau berechenbar sein muss. Der Lehrer darf zum Nachteil des Schülers auch aufrunden.

Lehrer dürfen Noten auch aus pädagogischen Gründen aufrunden. Sie sind daher nicht verpflichtet, die Note zu vergeben, die sich rechnerisch aus den schriftlichen und mündlichen Leistungen des Schülers ergibt (BayVGH, Beschluss v. 2.01.2002, 7 ZE 01.2889).

 

Schreckschuss: Noteneinbruch darf geahndet werden

Es darf gerade bei Versetzungszeugnissen berücksichtigt werden, wenn sich die schulischen Leistungen des Schülers zuletzt deutlich verschlechtert haben und gravierende Lücken im fachbezogenen Grundwissen bestehen. In einem Fall hatte die Lehrerin die Note „mangelhaft“ erteilt, obwohl sich rein rechnerisch eine Note von 4,41 ergeben hätte (VG Braunschweig, Beschluss v. 10.08.2010, 6 B 149/10).

 

Praxishinweise:

Die Leistungsbewertung der Schüler hat

  • sachlich zu erfolgen (Bsp.: keine abwertenden Randnotizen)
  • darf nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen (Bsp.: alle Schüler müssen die gleiche Bearbeitungszeit bekommen)
  • muss sachgerecht und nachvollziehbar sein
  • darf nicht willkürlich sein
  • und muss sich innerhalb eines verantwortungsvoll genutzten Beurteilungsspielraums abspielen

Da Leistungsbewertungen gerichtlich schwer überprüfbar sind, prüft das Gericht lediglich, ob die Verfahrensvorschriften (Bsp.: Prüfung unter unzumutbaren Prüfungsbedingungen, z.B. Baustellenlärm) und Prüfungsregeln (wie Zeiteinhaltung, Zulassung richtiger Hilfsmittel) sowie der Grundsatz der Gleichbehandlung (Prüfungsstoff wurde einigen Schülern im Vorfeld mitgeteilt, anderen nicht) eingehalten wurden.

Gegen Abschlusszeugnisse, Nichtversetzungen und die Nichtzulassung zum Abitur kann man Widerspruch einlegen, da es sich hierbei um einen Verwaltungsakt handelt. Zunächst überprüft jedoch die Schule mit einer Abhilfeprüfung die Entscheidung.

Vgl. zu dem Thema auch:

Noten, Zeugnisse und Versetzung – welche Rechtsmittel stehen zur Verfügung?

Lehrer darf Note zum Nachteil des Schülers aufrunden

Sitzengeblieben? Versetzung gefährdet? Zeugnisvergabe ist kein rechtsfreier Raum

Schlagworte zum Thema:  Schule, Noten

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