| Reisemängel

Kinderlärm kann ein Reisemangel sein

Kinderlärm ist in der Regel kein Reisemangel
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Dies gilt nach einem Urteil des AG Hannover jedenfalls dann, wenn der Reiseprospekt besondere Ruhe verspricht und das Mindestalter der Hotelgäste ausdrücklich mit 18 Jahren angegeben wurde. Die Minderungsquote ist aber eher bescheiden.

Eine besonders erholsame Reisen sollte es werden. Für sich und seine Begleiterin hatte der Kläger ein Hotel in der Türkei ausgesucht, für das der Reiseprospekt einen ruhigen Aufenthalt versprach. Das Mindestalter der Gäste wurde mit 18 Jahren angegeben. Drei Wochen vor Reiseantritt erhielt der Kläger vom Reiseveranstalter die Mitteilung, es sei leider nicht auszuschließen, dass zur gebuchten Reisezeit sich doch Kinder in der Hotelanlage befänden. Er bot dem Kläger daher eine Umbuchung zu einem anderen Reiseziel, ersatzweise eine Stornierung der Reise an. Aufgrund der Aussage des Veranstalters ging der Kläger davon aus, dass einige wenige Kinder anzutreffen seien. Mit einer größeren Ansammlung von Kindern rechnete er nicht.

20 Kinder stellten die Nerven des Klägers auf eine harte Probe

Am Urlaubsort angekommen musste er feststellen, dass das Hotel immerhin von ca. 20 Kindern bevölkert wurde, die bei den Mahlzeiten, tagsüber am Pool bzw. am hoteleigenen Strand eine Menge Unruhe erzeugten. Der Lärmpegel war unüberhörbar. Deshalb rügte der Kläger bereits einige Tage nach seiner Ankunft im Hotel gegenüber der örtlichen Reiseleitung diese nach seiner Auffassung unzumutbaen Störungen. Wieder zuhause erstattete der Reiseveranstalter dem Kläger freiwillig 10 % des Reisepreises zurück. Dies war dem Kläger zu wenig, er zog vor Gericht.

Kinderlärm ist regelmäßig kein Reisemangel

Vor dem AG Hannover machte der Kläger geltend, die Reise sei für ihn wertlos gewesen, der Erholungswert gleich Null. Der Lärmpegel sei dermaßen unerträglich gewesen, dass er die Urlaubszeit als nutzlos ansähe. Diese Einschätzung ging dem AG allerdings zu weit. Nach Auffassung des Amtsrichters war die Reise durchaus mangelhaft. Grundsätzlich sei allerdings nach anderen Entscheidungen des AG davon auszugehen, dass bei einer üblichen Pauschalreise im Massentourismus in Hotels grundsätzlich mit Kinderlärm zu rechnen sei und Kinderlärm, der sich im Rahmen der Üblichkeit halte, in der Regel keinen Reisemangel darstelle (AG Hannover, Urteil v. 11. 07.2013, 403 C 308/13).

Mindestalterangabe ändert die Sachlage

Das AG berücksichtigte vorliegend jedoch die Besonderheit, dass im Prospekt ein besonders ruhiges Hotel angeboten wurde und das Mindestalter der Hotelgäste mit 18 Jahren ausgewiesen war. Vor diesem Hintergrund sei die Anwesenheit von 20 Kindern, die bei verschiedenen Gelegenheiten Lärm verursachten, als Abweichung von der vertraglich geschuldeten Beschaffenheit der Reise anzusehen. Die Lärmbelästigung durch die Kinder sei daher in diesem Fall als Reisemangel zu werten.

Mangel bereits ausgeglichen

Das AG war allerdings der Auffassung, dass durch die diversen Lärmbelästigungen die Reise des Klägers und seiner Begleiterin keineswegs wertlos geworden sei. Der Kläger habe weder eine Beeinträchtigung der Nachtruhe behauptet noch sonstige Mängel, beispielsweise bei der Verpflegung oder sonstigen Ausstattungsmerkmalen der Hotelanlage, beklagt. Schließlich könne auch bei volljährigen Gästen nicht erwartet werden, dass im Poolbereich oder auch bei den Mahlzeiten vollkommene Ruhe herrsche. Selbst in Baulärmfällen würden die Gerichte häufig eine Minderung des Reisepreises von nur 10 %, in schweren Fällen bis zu 50 % gewähren. Verglichen mit Baulärm sei die Belästigung durch einige lärmende Kinder an der Untergrenze, nämlich bei 10 % anzusiedeln. Für eine Begrenzung der Minderungsquote auf diese Höhe spreche auch, dass Kinderlärm in einem gewissen Rahmen sozialadäquat sei. In Höhe dieser 10 % habe der Reiseveranstalter aber bereits eine freiwillige Erstattungsleistung erbracht. Darüber hinausgehende Ansprüche stünden dem Kläger nicht zu.

Das Gericht wies daher die Klage in vollem Umfang ab.

(AG Hannover, Urteil v. 11.7.2014, 6 S 34/96).

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Schlagworte zum Thema:  Reiserecht, Mangel, Kind

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