| Unfallversicherung

Kein Anspruch bei Erstickungstod nach künstlicher Ernährung

Unfallversicherung zahlt nicht bei Heilmaßnahmen
Bild: Haufe Online Redaktion

Wird ein Erstickungstod im Rahmen einer künstlichen Ernährung ausgelöst, haben die Erben keinen Anspruch auf die versicherte Todesleistung gegenüber dem Unfallversicherer, da ein Unfallereignis im Sinne der Versicherungsbedingungen ausscheidet.

Die demenzkranke Versicherte wurde im Januar 2011 unter anderem wegen einer Niereninsuffizienz bei einer Schluckstörung unbekannter Ursache in das Krankenhaus eingeliefert. Dort musste sie mittels einer Sonde künstlich ernährt werden. Zwei Monate später verstarb sie aufgrund einer Atemlähmung, da aus unbekannten Gründen flüssige oder feste Stoffe in die Atemwege eingedrungen waren. Da die Verstorbene bei dem privaten Versicherer eine Unfallversicherung mit einer Todesfallleistung von 20.000 EUR abgeschlossen hatte, verlangte die Erbengemeinschaft nach ihrem Tod die Zahlung der versicherten Leistung.

Ist der Erstickungstod ein Unfall ?

Die Erbengemeinschaft war der Ansicht, dass Todesursache ein Unfall war, da die Nahrung von außen zugeführt und anschließend erbrochen worden sei, so dass die Patientin an der Nahrung erstickt sei. Der Versicherer lehnte die Zahlung ab, da er von einem natürlichen Tod der Schwerkranken ausging.

Kein Ereignis von außen, sondern innerer Körpervorgang löste Tod aus

Das Landgericht Dortmund wies die Klage als unbegründet zurück, da der Tod der Mutter nicht auf einen Unfall zurückzuführen sei. Ein Unfall liege nach der gesetzlichen Definition und den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AUB) dann vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen wirkendes Ereignis eine unfreiwillige Gesundheitsbeschädigung erleide. Dabei ist bei der Frage, ob die Einwirkung von „außen“ erfolgt, nach der Rechtsprechung allein das Ereignis in den Blick zu nehmen, welches die Gesundheitsbeschädigung oder den Tod unmittelbar herbeigeführt habe. In dem vorliegenden Fall sei der Tod der Versicherten jedoch erst durch das Eindringen flüssiger oder fester Stoffe in die Atemwege verursacht worden. Die herrschende Meinung sieht daher in einem solchen Fall des Erstickungstodes kein Unfallereignis, da ein innerer Körpervorgang den Tod auslöse.

Auch Heilmaßnahmen und Eingriffe vom Versicherungsschutz ausgenommen

Aber auch wenn man ein Unfallereignis zu Grunde legen würde, stünde der Erbengemeinschaft kein Anspruch zu, so das Gericht weiter. Die künstliche Ernährung stelle eine Heilmaßnahme oder jedenfalls ein Eingriff am Körper der Versicherten dar. Nach den Versicherungsbedingungen  sind aber Gesundheitsschäden, welche durch Heilmaßnahmen oder Eingriffe am Körper der versicherten Person verursacht wurden,  ausgeschlossen.

(LG Dortmund, Urteil v. 2.5.2013, 2 O 340/12)

Schlagworte zum Thema:  Unfallversicherung, Todesfall

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