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Kassen zahlen Entfernung von PIP-Implantaten

Frauen in Deutschland sollen sich wegen gesundheitlichen gefahren ihre Billig-Brustimplantate entfernen lassen. Das ist vielen Medienberichten zu entnehmen. Aber wer zahlt die OP? Die Kassen sind in der Pflicht, doch auf viele Betroffene können dennoch Kosten zukommen.

Die Krankenkassen in Deutschland zahlen die Entfernung minderwertiger Brustimplantate - allerdings mit Einschränkungen. Letzteres betrifft Frauen, die sich die Silikonkissen bei Schönheitsoperationen haben einsetzen lassen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte am 6.1.2012 betroffenen Frauen geraten, sich die aus Frankreich stammenden Implantate herausoperieren zu lassen. Denn auch ohne Risse könnte gesundheitsgefährdendes Silikon austreten.

 

Besteht Gesundheitsgefahr, sollte Entfernung erfolgen

"Wenn eine Gesundheitsgefahr besteht, hat ein Patient Anspruch gegenüber der Kasse, dass die Kosten übernommen werden", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am 8.1.2012 der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Das gelte grundsätzlich für Implantate, die aus medizinischen oder ästhetischen Gründen eingesetzt worden sind. "Nach dem Sozialgesetzbuch können die Kassen allerdings prüfen, wie der Patient im Einzelfall zu beteiligen ist." Dies dürfte Frauen betreffen, die die Implantate im Zuge reiner Schönheitsoperationen bekommen haben.

 

GKV übernimmt die Kosten - Kostenbeteiligung bei ästhetischen OPs

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bestätigte, dass die Kosten übernommen werden. Er interpretierte die Passage im Sozialgesetzbuch aber anders: Demnach müssen Patientinnen, die die Implantate aus rein ästhetischen Gründen erhielten, an den Kosten beteiligt werden.

 

Beteiligung der Ärzte?

Schönheitsoperationen seien lukrativ für Ärzte, sagte Sprecher Florian Lanz. "Wir fordern die Ärzte auf, ihre Patientinnen mit den Folgekosten ihres ärztlich-unternehmerischen Handelns jetzt nicht alleine zu lassen."

Weltweit sollen zwischen 400.000 und 500.000 Frauen minderwertige Silikonkissen der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) erhalten haben. Die Vermarktung, den Vertrieb und die weitere Verwendung der Brustimplantate hatte Frankreich dem Unternehmen bereits im April 2010 europaweit untersagt.

 

TÜV Rheinland getäuscht

PIP-Gründer Jean-Claude Mas gab in Vernehmungen auch zu, den TÜV Rheinland in dem Skandal getäuscht zu haben. Ein Zusammenhang zwischen den Silikonkissen und Krebs wird befürchtet, bewiesen ist er aber nicht.

 

Ältere Implantate auf jeden Fall entfernen lassen

Deutschland hatte bereits am 6.1.2012 Frauen aufgrund neuer Meldungen von Ärzten zu einer Entfernung der minderwertigen Silikonkissen geraten. "Das Silikon tritt aus, obwohl die Hülle intakt ist", erläuterte BfArM-Sprecher Maik Pommer am 7.1.2012 der dpa. Experten sprechen bei diesem Phänomen von Ausschwitzen. 

"Wir wissen jetzt, dass das Ausmaß des Ausschwitzens größer ist als bei anderen Implantaten." Bei den Produkten aus Frankreich nehme das Problem mit dem Alter der Implantate zu.

Wie viele Frauen in Deutschland die Empfehlung betrifft, ist laut BfArM (Bonn) noch unklar. Bundesweit wurden bislang 19 Fälle von gerissenen Implantaten bekannt, aber im Gegensatz zu Frankreich keine Krebserkrankungen. "Wie dringend eine Entnahme im Einzelfall ist, hängt wesentlich davon ab, wie lange die Patientin das Implantat bereits trägt", sagte der Präsident des BfArM. Dies sollte vor jeder Operation mit dem Arzt besprochen werden.

 

EU-Vorschriften für Medizinprodukte besser überwachen

Das Bundesgesundheitsministerium hält die europäischen Vorschriften, die den Marktzugang für Medizinprodukte wie Brustimplantate regeln, nach einem Bericht der «taz» vom 9.1.2012 für ausreichend. Es handele sich nicht um ein Problem der Zulassung, sondern um ein Problem der Überwachung, hieß es aus dem Ministerium.

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