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Kampfhundangriff auf Kind: Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingestellt

Das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen eine Kampfhundehalterin wurde gegen Auflage von 3000 Euro Schmerzensgeld für das Kind eingestellt. Es ging um einen Angriff des Staffordshire-Mischlings auf den 9-jährigen Spielkameraden ihres Sohnes in ihrer Wohnung. Der Zivilprozess um eine deutlich höhere Summe steht noch aus.

Folgenschwer: Mit "Tyson" allein zuhaus

Die Halterin des Staffordshire-Mischling „Tyson“ hatte ihren achtjährigen Sohn und dessen später vom Hund angegriffenen Freund in ihrer Wohnung alleingelassen, ohne den Kampfhund-Mischling wegzusperren.

Sie hatte zwar den Kindern strikt untersagt, das Zimmer zu betreten, in dem der Hund sich aufhielt, musste sich aber vom Gericht und der Realität belehren lassen, dass Kinder sich nicht immer an Verbote halten. Sie hielt den Hund, der einen Wesenstest bestanden hatte, für gutartig.

 

Den Spielkamerad des Sohnes mehrfach ins Gesicht gebissen

Möglicherweise hatten die Kinder mit dem Hund gespielt oder ihn geschlagen. Jedenfalls kam es zu schweren Verletzungen des Junden, den der Mischling mehrfach ins Gesicht biss. Er erlitt sieben tiefe und mehrere kleine Bisswunden, die operiert werden mussten. Bis auf eine kleine Narbe an der Nase gibt es zwar keine sichtbaren Folgen, aber der Junge ist weiterhin in psychotherapeutischer Behandlung.

Die Halterin übenahm für die Verletzung die Verantwortung, was dem Jungen die Aussage vor Gericht ersparte. Das Strafverfahren wurde daraufhin mit Zustimmung aller Prozessbeteiligten eingestellt.

 

Zivilprozess steht noch aus

In einem gesonderten Zivilprozess kommen laut Gericht noch Forderungen von etwa 30.000 Euro auf die Angeklagte zu. Der Kampfhund wurde inzwischen eingeschläfert.

 

Hintergrund: Wesenstest

Hunden sind zum Wesenstest verpflichtet, wenn

  • Gefährlichkeit des Hundes auf Grund der Rasse vermutet wird = Listenhund mit bestehendem Besorgnispotenzial
  • oder der Hund tatsächlich durch Aggression aufgefallen.

Bei den folgenden Rassen und Gruppen von Hunden sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden wird die Eigenschaft als "Kampfhunde" stets vermutet (= Listenhunde der Kathegorie I):

  •    Pit-Bull-Terrier
  •    Bandog
  •    American-Staffordshire-Terrier
  •    Staffordshire-Bullterrier
  •    Tosa Inu

Bei den folgenden Rassen wird die Eigenschaft als "Kampfhunde" vermutet, solange nicht der zuständigen Behörde für die einzelnen Hunde nachgewiesen wird, dass diese keine "gesteigerte" Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren aufweisen:

  • Alano
  • American Bulldog
  • Bullmastiff
  • Cane Corso
  • Dogo Argentino
  • Doque de Bordeaux (Bordeaux-Dogge)
  • Fila Brasileiro
  • Mastiff
  • Mastin Espanol
  • Mastino Napoletano
  • Perro de Presa Canario (Dogo Canario)
  • Perro de Presa Mallorquin
  • Rottweiler

Es sind Listenhunde der Kategorie II, bei denen im Beweisumkehr-Verfahren mit bestandenem Wesenstest die "Kampfhundevermutung" (gesteigert/aggressiv u. gefährlich) entkräftet werden kann.

 

Rechtswirkung des Tests

Das VG Koblenz hat entschieden: Die Wesensprüfung eines Hundes stelle nur eine Momentaufnahme dar und beseitige nicht die erhöhte Unberechenbarkeit der Tiere bestimmter Rassen. Somit kann mit der Bescheinigung über die erfolgreiche Ablegung des Wesenstestes nicht eine die Befreiung vom Maulkorbzwang rechtfertigende Ungefährlichkeit ihres Hundes nachweisen (Urteil v. 1.1.2002, 2 K 580/01.KO).

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