15.09.2010 | allg. Zivilrecht

Helfer in Not: Zu heftig oder nicht fachgerecht gerettet?

Immer wieder wird geklagt, dass es an Einsatz und Zivilcourage bei Unglücksfällen fehlt. Doch es gibt auch den umgekehrten Fall: ein Rettungsversuch der dem Helfer nachträglich Probleme bereitet, weil er dem Opfer Schaden zufügt und Haftungsansprüche geltend gemacht werden.

Der Alptraum für fast jeden: Ein Unfall und die Notwendigkeit, fast vergessene Erste-Hilfe-Kenntnisse in Erinnerung zu rufen, um Verletzten beizustehen. Noch schlimmer allerdings, wenn hinterher Vorwürfe laut werden, man hätte mehr geschadet als geholfen und sogar Haftungsfragen im Raum stehen.

 

Ansprüche des Opfers gegen den Helfer

Ein Helfer kann dem Opfer leicht Schäden bei der Ersthilfe zufügen (z.B. Rippenbrüche bei der Reanimation). Muss er dafür "geradestehen"?

Grundsätzlich haftet der Helfer in Notfällen nur für grob fahrlässige Fehler, die ihm während der Erste-Hilfe-Maßnahmen unterlaufen. Diese wird aber auf Grund der besonderen Situation eines Notfalls nur in Ausnahmefällen bejaht.

Beispiel: Als grob fahrlässig wird es z.B. eingeordnet, wenn der Ersthelfer es unterlässt, trotz bestehender Möglichkeit die Unfallstelle abzusichern (Warndreieck, etc.) und es daraufhin zu weiteren Personenschäden kommt.

  • Eingerostete Ersthelferkenntnisse

Das Fehlen von Wissen und Erste-Hilfe Praktiken kann ihm dabei grundsätzlich nicht als grobe Fahrlässigkeit angelastet werden.

  • Sachschäden

Darüber hinaus ist er nicht zum Schadenersatz für die Beschädigung fremder Sachen zum Schadenersatz verpflichtet (zerschnittene Kleidung, Wasserschäden beim Löschen), auch wenn die Erste-Hilfe-Maßnahmen oder der Löschversuch erfolglos waren.

 

Rechtslage

  • Da das Opfer in vielen Fällen nicht ansprechbar ist, handelt der Nothelfer meist mit Geschäftsführung ohne Auftrag (§ 677 BGB) und zur Abwendung einer drohenden Gefahr (§ 680 BGB).
  • Ist das Opfer ansprechbar und bittet um Hilfe, handelt es sich um einen Auftrag gem. § 662 ff. BGB. Dabei haftet der Helfer in entsprechender Anwendung des § 680 BGB ebenfalls nur für grob fahrlässiges Verhalten.

 

Wichtig : Helfende Ärzte sind in einer Sondersituation

Dieses gesetzliche Haftungsprivileg des § 680 BGB gilt jedoch nicht für medizinisches Fachpersonal wie Ärzte und Sanitäter, welche für ihr fahrlässiges Verhalten haftbar gemacht werden können. Darüber hinaus bestehen auch Schadensersatzansprüche bei Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht.

 

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