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Greift bei Reiter-Gefälligkeiten die gesetzliche Unfallversicherung?

Unter Reitern sind kurze Hilfeleistungen, die maßgeblich durch das kameradschaftliche und gemeinschaftsfördernde, auf Gegenseitigkeit beruhende Verhalten von Reitern und deren Angehörigen untereinander geprägt sind, Teil der reitsportlichen Betätigung und daher durch die gesetzliche Unfallversicherung nicht geschützt.

Gefälligkeiten sind somit unter Reitern, trotz der jedem Pferde innewohnenden Tiergefahr, nicht ohne das Hinzutreten weiterer Anhaltspunkte im Einzelfall, als arbeitnehmerähnliche Tätigkeiten nach § 2 Abs. 2 Satz 2 SGB VII anzusehen.

Es ist daher von einem reinen Gefälligkeitsverhältnis auszugehen, wenn eine andere Reiterin ausschließlich kurze und unter Pferdefreunden als geringfügig zu betrachtende Tätigkeiten, dies fast ohne jeden Marktwert, ausübt.

 

Fremdes Pferd bewegt

Dies gilt insbesondere dann, wenn ein Reiter das zu privaten Zwecken gehaltene Pferd unregelmäßig freiwillig und unentgeltlich bewegt, etwa wenn der Reiteigentümer verhindert war. Erfolgt dies nur auf Zuruf, ohne vorherige Absprache hinsichtlich eines längeren Zeitraums und ohne jede Verbindlichkeit, haftet der Eigentümer, wenn sich die Reiterin bei einem Reitunfall Verletzungen zuzieht (§ 833 BGB).

Ein etwaiger Ausschlussgrund nach § 104 Abs. 1 SGB VII wegen möglicher Absicherung durch die gesetzliche Berufsgenossenschaft besteht nicht, da die Reiterin sich die Verletzungen nicht im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses zugezogen hat.

(OLG Celle, Urteil v. 14.2.2011, 20 U 35/10).

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