04.12.2010 | allg. Zivilrecht

Führerschein mit 17 zum 1.1.2011 soll Unfallgefahr bei Fahranfängern senken

Auch Senioren verbreiten gelegentlich Angst und Schrecken, doch Fahranfänger gelten als die Fahrergruppe mit dem höchsten Unfallrisiko. Geringe Gefahreneinschätzung und zu hohe Risikobereitschaft führen dazu, dass vor allem Führerscheinneulinge schwere Unfälle verursachen. Dies soll durch langsamen Einstieg mit 17 (BF 17) vermindert werden.

BF 17 zielt darauf ab, Fahranfängern unter Aufsicht von geübten Pkw-Fahrern die Möglichkeit zu geben, Fahrpraxis zu sammeln. Nachdem man mit dem in Niedersachsen entwickelten Modell des begleiteten Fahrens ab 17 gute Erfahrungen gemacht hat, wird es nun durch ein Gesetz zum 1.1.2011 bundesweit eingeführt.

 

Vorteile für Fahranfänger

Die Jugendlichen haben durch das Gesetz die Möglichkeit, sich mit 16,5 Jahren in einer Fahrschule anzumelden und ihre Fahrausbildung zu beginnen. Mit 17 Jahren dürfen sie dann die Prüfung absolvieren, doch zunächst dürfen sie nicht alleine „auf Achse“ gehen: Sie sollen in guter Begleitung mehr Erfahrungen in der Praxis sammeln und frühzeitig, aber auch langfristig geschult werden.

 

You never drive alone

Der Führerschein ab 17 bringt deshalb besondere Bedingungen mit sich. Der Fahranfänger darf sich noch nicht alleine ans Steuer setzen, sondern muss eine Begleitperson dabei haben, die ihrerseits einige Auflagen erfüllen muss. Sie muss mindestens 30 Jahre alt sein, seit 5 Jahren den Führerschein besitzen, darf – während der Fahrt - nicht mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut haben, keine Drogen konsumieren und nicht mehr als 3 Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg haben.

Diese Begleitperson wird namentlich in der vorläufigen Fahrerlaubnis erwähnt und der Fahranfänger darf ausschließlich mit dieser Person fahren.

Ab seinem 18. Geburtstag hat der Jugendliche dann die Möglichkeit seinen vorläufigen Führerschein gegen einen vollwertigen EU- Führerschein einzutauschen

Der frühzeitige Erwerb des Führerscheins soll allerdings nicht das Einzige sein, was die Unfallquote dieser Risikogruppe eindämmen soll. Sie sollen auch nach dem Erwerb des Führerscheins weiter an Schulungen teilnehmen und begleitet werden, um ihre Fahrpraxis zu verbessern und das Unfallrisiko zu senken.

 

Die Vorgaben im Detail:

  • Es muss immer eine Begleitperson mitfahren
  • Die Begleitperson muss älter als 30 Jahre sein
  • Die Begleitperson muss den Führerschein Klasse B mindestens fünf Jahre besitzen
  • Die Begleitperson darf nicht mehr als drei Punkte im Verkehrszentralregister besitzen
  • Die Begleitperson muss amtlich eingetragen sein und muss beim Antrag auf den Führerschein angegeben werden (spontan kann sich kein Erwachsener mit einem Fahranfänger ins Auto setzen)
  • Es können max. fünf Begleitpersonen angegeben werden.
  • Die Bescheinigung zum begleiteten Fahren gilt nur in Deutschland, im Ausland darf nicht damit gefahren werden, da es sich hier um eine nationale Sonderregelung handelt. Spätestens vor der Grenze der Bundesrepublik Deutschland muss ein Fahrerwechsel erfolgen. Die einzige Ausnahme stellt hier Österreich dar. Dort darf man mit dem deutschen B 17-Führerschein in Begleitung fahren. Gleiches gilt umgekehrt auch in Deutschland mit der österreichischen L 17-Fahrerlaubnis.
  • Der Fahrer darf keinen Alkohol getrunken haben (0,0-Promille-Grenze für Fahranfänger). Für den Begleiter gilt die 0,5-Promille-Grenze.
  • Für Fahrer und Beifahrer gelten die bekannten Vorschriften über berauschende Mittel: drogenfrei fahren.!

Missachtung der Fahrerlaubnis

Wenn ein junger Fahranfänger die Auflagen für "begleitetes Fahren" missachtet, wird seine Fahrerlaubnis widerrufen. Außerdem muss er mit einem Bußgeld rechnen, eine Verlängerung der Probezeit und die Auflage, vor dem Neuerwerb des Führerscheins ein Aufbauseminar zu machen.

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