Ex-Liebhaber kann Vaterschaftstest verlangen

Besteht die Möglichkeit, dass ein Kind die Folge eines Seitensprunges ist, kann die verheiratete Mutter dem Liebhaber einen Vaterschaftstest nicht mit der Begründung verwehren, das intakte Familienleben und das Kindeswohl würden dadurch gefährdet werden. 

In dem konkreten Fall verweigerte die Mutter eines einjährigen Kindes gegenüber ihrem ehemaligen Liebhaber eine Abstammungsuntersuchung. Die Mutter war verheiratet, der Ehemann wusste jedoch über den Seitensprung Bescheid. Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist daher der Ehemann rechtlicher Vater des Kindes. Die Eheleute sahen in dem Ex-Geliebten einen Eindringling in eine intakte Familie und wollten den Umgang auf jeden Fall verhindern, da ein solcher dem Kindeswohl nicht entspreche.

Ehemann war über die Affäre informiert

Das Amtsgericht hielt die Weigerung der Mutter noch für rechtmäßig. Es könne nicht festgestellt werden, dass der Umgang eines fremden Mann mit dem erst einjährigen Kind dem Kindeswohl diene. Festgestellt werden konnte dies frühestens im Vorschulalter und zwar dann, wenn das Kind über seine biologische Abstammung aufgeklärt worden sei. Dem widersprach der Ex-Liebhaber. Nach seiner Auffassung könne er in den entscheidenden Jahren keine Beziehung zu dem Kind aufbauen, sollte er seine Rechte erst später geltend machen können.

Vaterschaftsfeststellung führt nicht zu zusätzlicher Belastung der Mutter

Das OLG Oldenburg entschied daraufhin, dass die Mutter die Abstammungsuntersuchung zu dulden habe. Es seien zwar immer die Interessen aller Beteiligten abzuwägen. Im vorliegenden Fall hatte der Ehemann jedoch Kenntnis von der Affäre, daher entstünden für die Mutter durch den Vaterschaftstest keine zusätzlichen Belastungen für das Familienleben. Erst wenn sich die biologische Vaterschaft des Mannes bestätige, sei sodann zu klären, ob ein Umgangsrecht dem Kindeswohl entspreche. Hierbei wären dann die Vorwürfe der Eheleute gegenüber dem Liebhaber zu ermitteln und das Kind altersgerecht über die Vaterschaft aufzuklären.

(OLG Oldenburg, Beschluss v. 14.02.2017, 13 WF 14/17)

Praxishinweis:

Nach einem Urteil des BVerfG (Beschluss v. 19.11.2014, 1 BvR 2843/14) muss der Vaterschaftstest verhältnismäßig sein. Danach dürfen die Betroffenen keiner Abstammungsuntersuchung unterzogen werden, die zur Entscheidung über den Umgangs- oder Auskunftsanspruch nach § 1686a BGB nicht erforderlich ist und damit das Familienleben unnötig belastet. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn diese Frage einfach zu klären ist, ohne dabei das Familienleben der Mutter zu beeinträchtigen.

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Schlagworte zum Thema:  Vaterschaftsfeststellung, Kindeswohl