25.08.2011 | allg. Zivilrecht

Ein Stylist, eine Kunstfigur und ein Mobilfunkunternehmen

Darf ein Unternehmen eine Kunstfigur erschaffen, die einem lebenden Prominenten zum Verwechseln ähnlich sieht? Darf es diese Kunstfigur ohne Rücksprache mit dem Betroffenen zu Werbezwecken nutzen? Ist es verpflichtet, für die Vermarktung eine Lizenzgebühr zu entrichten? Über diese Fragen hatte kürzlich das LG Hamburg zu befinden.

Ein Mobilfunkunternehmen kämpfte um Marktanteile. In einer großangelegten Werbekampagne lockte die von einem Schauspieler verkörperte Kunstfigur "Andy" in regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlten Werbespots. Ein bekannter Stylist, der die Kultshow "Germany`s next Topmodel" eine Zeitlang begleitete, erkannte sich in Andy sofort wieder. Nicht nur in entscheidenden körperlichen Merkmalen, auch in der Gestik, in der Art zu sprechen und sich zu bewegen, erkannte er sich selbst. Vor Gericht forderte der Stylist ein Verbot der Werbung mit der Kunstfigur sowie die Zahlung von Lizenzgebühren wegen unerlaubter Nutzung seines Bekanntheitsgrades zu Werbezwecken.

Andy ist kein Doppelgänger

Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Nach Auffassung des LG ist Andy keine Kopie des Klägers. Andy verkörpere lediglich einen bestimmten Typus: gutaussehender junger Mann, stylisch, mit dunklen Locken und Dreitagebart. Diesen Typus treffe man häufiger an. Auch die Ähnlichkeit in Gestik und Sprache sei nicht so prägnant, dass man von einer Kopie sprechen könne.

Kläger für den unvoreingenommenen Zuschauer in Werbespots nicht identifizierbar

Auch wenn Andy in den Spots dem Zuschauer vorschlage, seinen „Style“ zu ändern und zum beworbenen Mobilfunkanbieter zu wechseln, gebe er sich damit nicht wirklich als Stylist und schon gar nicht als der Kläger aus. Vom Zuschauer werde er auch nicht so wahrgenommen. Der Vorschlag zum „Umstylen“ enthalte darüber hinaus ein humoristisches Element, welches den Wechsel zu einem anderen Mobilfunkanbieter mit der Änderung des Outfits assoziiere.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(LG Hamburg, Urteil v. 5.8.2011, 324 O 134/11)

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