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Ein Freund, ein guter Freund ...? Warum Solidarität mit dem eigenen Hund teuer werden kann

Nicht nur ein Hund selbst kann teuer werden, auch Herrchens oder Frauchens helfende Hand kann ins Geld gehen. Versicherungen werden kleinlich, im Hinblick auf Behandlungskosten und Schmerzensgeld, wenn jemand sich in eine Auseinandersetzung zwischen Tieren „einmischt“. Das gilt etwa, wenn man seinen Hund schützen will und dabei ein Stück Finger verliert.

Heldin des Alltags

Im Jahre 2009 unternahm eine Hundehalterin mit ihrem Hund einen Winterspaziergang im Ennepe-Ruhr-Kreis. Die beschauliche Winterstimmung war schnell dahin, als ein anderer Hund sich von der Leine losriss und den (knurrenden) Hund der späteren Klägerin angriff. Den dabei von der Halterin gezeigten Heldenmut kann sicher so manche Hundehalter nachempfinden oder zumindest würdigen. Die Haftpflichtversicherung des angreifenden Hundes und das Gericht taten es nicht wirklich.

 

Tierisch: Zeigefinger von der helfenden Hand gebissen

Nachdem der Angreifer mehrfach zugebissen hatte und die Lage für das Tier der Klägern bedrohlich wurde, hielt die Halterin nämlich  schützend,  aber tollkühn ihre Hand über den Kopf ihres Hundes. Kaum getan, hielt der Angreifer das erste Glied des linken Zeigefingers der Klägerin zwischen den Zähnen und nahm dieses triumphierend als Beute mit sich.

 

Halter des angreifenden Hundes haftet grundsätzlich

Die Klage der Hundehalterin war im Grundsatz erfolgreich. Das OLG sah die Haftung des Halters des angreifenden Hundes dem Grunde nach gegeben. Die Behauptung des Beklagten, der Hund der Klägerin habe seinen Hund angeknurrt und damit den Angriff provoziert, half ihm nur wenig.

 

Erhebliches Mitverschulden der Klägerin: Keine sachgerechte Risikoabwägung

Gleichwohl gewährten die Richter der Klägerin keinen vollen Schadensersatz. Angesichts des Angriffs des fremden Hundes hätte die Klägerin nach Auffassung der Richter erkennen können, dass der Schutz des eigenen Tieres mit erheblichen Gefahren für sie selbst verbunden war. Unter diesen Umständen hätte eine sachgerechte Risikoabwägung sie von einem Eingriff in die tierische Auseinandersetzung abhalten müssen.

 

Schmerzensgeld und Verdienstausfall nur zur Hälfte ersetzt

Die Richter bewerteten den Verschuldensanteil der Klägerin hinsichtlich ihrer eigenen Verletzungen mit 50%. Sowohl der geltend gemachte Verdienstausfall als auch das geforderte Schmerzensgeld kürzten die Richter um die Hälfte und gewährten der Klägerin insgesamt einen Erstattungsbetrag von etwas mehr als 3.000 EUR.

 

Anrechnung der Tiergefahr

Auch die Behandlungskosten für ihren verletzten Hund wurden der Klägerin nicht komplett erstattet. Die Richter bewerteten das Knurren ihres Hundes als eine Provokation des Fremdtieres, die zur Anrechnung der sog. Tiergefahr führte. Die Behandlungskosten musste die Gegenseite daher nur zu 75% ersetzen. 

(OLG Hamm, Urteil v 17.10.2011, I-6 U 72/11).

 

Hund und Herrchen

Egal, von welcher Art und Rasse,

ob tief er bellt, ob hoch er kläfft,

der Hund macht alles auf der Straße -

und auf die Straße sein Geschäft.

 

Die Katze ist da etwas feiner:

sie hat ihr Klo, auf das sie geht,

und wie sie liebt, das sah noch keiner -

man hört es höchstens, abends spät.

 

Der Hund dankt stets für jede Strafe,

er leckt die Hand, die ihn versehrt.

Er ist des Herrchens treuster Sklave -

doch meistens ist es umgekehrt.

(Heinz Erhardt)

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