13.10.2011 | Bildungsdiebstahl

Bücherklau hat Konjunktur, kann aber bei hartnäckigem Vorgehen ins Gefängnis führen

Wer lesen kann ist im Vorteil, Bücher klauen kann aber auch schaden
Bild: shutterstock.com

Der Diebstahl von Büchern im Handel, aber auch aus Bibliotheken wird zunehmend beliebter und stellt für manche Einrichtungen ein echtes Problem dar. Geschickte und unermüdliche Bücherdiebe entwenden oft über einen längeren Zeitraum Bücher im Wert von mehreren Tausend Euro oder bestreiten damit gar gänzlich ihren Lebensunterhalt.

Zwar wird das Buch immer wieder todgesagt, als Diebesgut zumindest, ist es noch quicklebendig...

 Wer liest ist nie allein, landet aber manchmal im Gefängnis

Das LG Münster hat am 5. 10. 2011 einen ehemaligen Studenten wegen Diebstahls von Büchern im Wert von 40.000 EUR zu einer Haftstrafe von 2 Jahren und 7 Monaten verurteilt.

Der ehemalige Wirtschaftswissenschaftler hatte sich in mehreren Stadtbüchereien, u.a. in Rheine, Bochum, Dortmund und Osnabrück bedient. Nach eigenen Angaben litt er unter einem nicht zügelbaren Lesedrang.

2001 war er wegen identischer Straftaten schon einmal zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden.

3,2,1 - Verkauf des Diebesguts über Internet

Der Angeklagte hatte zugegeben, in den entsprechenden Bibliotheken Dauergast gewesen zu sein. Das Diebesgut hatte er versteckt unter seinem Pullover oder in Aktenordnern aus der jeweiligen Bibliothek gebracht und anschließend die Bücher zum Verkauf im Internet angeboten. Darunter befand sich eine Brockhaus-Gesamtausgabe.

Mehrmals gelaufen: Brockhaus-Gesamtausgabe im Wert von 2 600 EUR

Überführt wurde er, weil die Beschäftigten der Stadtbücherei sich nicht damit abfinden wollten, dass der Täter an einem Samstag vermutlich mehrfach ein und aus ging und dabei ihren kompletten 30-bändigen Brockhaus stahl.

Sie hatten daraufhin Ebay nach der Bibliotheks-internen Liste gestohlener Bücher durchforstet und kamen dem Dieb, es vor allem auf wertvolle Fachliteratur abgesehen hatte, auf die Spur. Die Polizei ging dem Hinweis nach und bei einer Wohnungsdurchsuchung wurde auch der fehlende Brockhaus entdeckt.

Not kennt kein Gebot? Auch Professoren stehlen

Das Problem ist auch an Universitätsbibliotheken gut bekannt. Vor einigen Jahren machte die Universität Bonn gegen einen Literaturprofessor wegen Diebstahls von Büchern Schadensersatzforderungen von 272.000 EUR geltend.

In Nürnberg hatte ein 27jähriger in den Jahren 2009 und 2010 aus dem Verkauf zuvor gestohlener Bücher Einnahmen in Höhe von 20.000 EUR erzielt und davon seinen Lebensbedarf finanziert.

Wertvolle Bücher besonders beliebt

Häufig befinden sich in Bibliotheken einzelne besonders wertvolle Bücher, die nur unzureichend gegen Entwendung gesichert sind. Im November 2009 wurde aus der Universitätsbibliothek in Göttingen die Erstausgabe des ersten Buches zur Navigation entwendet, Schätzwert: 370.000 EUR. Die meisten Bibliotheken haben inzwischen gelernt und bauen moderne Sicherungssysteme ein.

Auch Buchmessen werden nicht verschont

Trotz teils kostspieliger Sicherungsmaßnahmen sind auch Buchmessen nicht vor Bücherdieben gefeit. Das Klauverhalten der Diebe kann sogar Indikator für die Verkaufschancen von Büchern sein. Bei den letzten Buchmessen in Frankfurt und Leipzig waren jedenfalls die am häufigsten entwendeten Bücher anschließend die Bestseller.

Laufbahn muss nicht im Knast enden

Nicht jeder Bücherdieb bleibt auf der schiefen Bahn. Als ein fast schon historischer Gegenbeweis gilt der frühere Außenminister Joschka Fischer. Von ihm behauptet ein Stuttgarter Buchhändler er habe vor Jahrzehnten 'hinterhältige Diebeszüge' durch Stuttgarter Buchläden gemacht und mit dem Diebesgut seinen Lebensunterhalt finanziert. Aus geläuterten Bücherdieben könnte danach durchaus noch was werden, obwohl auch der Beruf des Politikers nicht wirklich angesehen ist.

Bücher sind auch im Handel besonders diebstahlgefährdet

Bücher gelten auch außerhalb von Bibliotheken als besonders diebstahlgefährdet. Ursachen sind der überwiegend auf Selbstbedienung ausgerichteten Verkauf mit einer entsprechenden Warenpräsentation sowie geringem Personaleinsatz. Über die Höhe der Diebstahlsquote liegen keine gesicherten Zahlen vor, Fachleute gehen jedoch davon aus, dass sie bei weit über fünf Prozent des Umsatzes liegt.

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