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Buchungsfehler: Zu Hause, statt im sonnigen Süden = halben Reisepreis Schadensersatz

Der Urlaub ist gebucht, die Familie ist am Flughafen und dann die Enttäuschung: Der Familienname ist nicht im Buchungscomputer vermerkt, das Flugzeug ist voll und der Urlaub fällt aus, da kein Ersatzangebot verfügbar ist. Hier besteht Schadensersatzanspruch bis zur Höhe des halben Reisepreises.

Wenn die schönsten Woche des Jahres ins Wasser fallen...

Pfingstferien. Endlich Zeit für den schon lange geplanten Familienurlaub. Die Eltern buchen für sich und ihren schulpflichtigen Sohn einen 14-tägige Pauschalreise in die Türkei zum Preis von 2.715 EUR.

Nach 1 ½ Stunden Wartezeit am Check-in Schalter, der Schock: das Reiseunternehmen hat einen Fehler gemacht und der Flug für die Familie ist nicht gebucht. Die Familie versucht alles, um den Urlaub noch zu retten, doch es kann kein anderer Flug mehr für sie gebucht werden.  Der Urlaub fällt aus, stattdessen erwarten die Familie jetzt Schulferien bei schlechtem Wetter zu Hause.

 

Reiseveranstalter muss für die entgangene Urlaubsfreude geradestehen

Nach mehrmaligem Anrufen erreicht die Familie ihren Reiseveranstalter schließlich und versucht eine Ersatzurlaubsreise  zu bekommen. Leider war schon alles andere ausgebucht. Die Reisegesellschaft erklärt sich lediglich bereit, den Urlaub kostenfrei zu stornieren.

 

Wer ersetzt der Familie den ersehnten Urlaub?

Das reicht der Familie allerdings nicht. Sie habe sich schon sehr auf den Urlaub gefreut, außerdem wäre an Nachholen nicht zu denken, denn ihr Sohn muss demnächst wieder zur Schule. Deswegen verlangen sie Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit in Höhe von 50% des Reisepreises. Die Reiseveranstalter sind allerdings nur bereit 25% zu zahlen. Schließlich verklagt die Familie die Reisegesellschaft vor dem Amtsgericht in München auf Schadensersatz.

 

Entscheidung: Der Anspruch auf Schadensersatz hänge auch in einem solchen Zusammenhang von den jeweiligen Aspekten des Einzelfalls ab. Hier - so das Gericht - kämen viele Faktoren zusammen, die den Anspruch der Familie auf Schadensersatz stützen. Da wären

  • das nutzlose Packen,
  • die vergebliche Fahrt zum Flughafen,
  • die unnötige Wartezeit
  • und schließlich noch der verpasste Urlaub,
  • der aufgrund des schulpflichtigen Sohnes nicht beliebig nachgeholt werden könne.

Deswegen sprach der zuständige Richter der Familie die geforderten 50% zu.

(AG München, Urteil v. 20.10.2010, 262 C 20444/10).

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