13.07.2010 | allg. Zivilrecht

Auffahrunfall oder zurück gestoßen? Wie ist hier die Beweislage?

Behauptet der scheinbar auf den Vordermann aufgefahrene Fahrer, dieser habe sein Fahrzeug zurück gesetzt und so den Unfall verursacht, darf das Gericht in Ermangelung weiterer Beweise nicht von einem Auffahrunfall ausgehen.

Wer war schuld?

Vor einer Kreuzung hatten zuerst ein Mercedes und dahinter ein Porsche angehalten. Hierbei oder auch anschließend kam es zur Kollision beider Fahrzeuge. Für die den Unfall aufnehmenden Polizeibeamten schien die Sache klar: Auffahrunfall. Die Porschefahrerin erklärte jedoch den verdutzten Polizeibeamten, sie sei nicht aufgefahren, vielmehr habe der Mercedesfahrer unerwartet zurück gesetzt und so ihr Fahrzeug beschädigt.

 

Schadensteilung mangels Hergangsbeweises

 Das OLG Hamm gab der Porschefahrerein zumindest teilweise Recht. Entgegen der Auffassung des Mercedesfahrers gebe es keinen Beweis des ersten Anscheins, dass es sich um einen Auffahrunfall handle, wenn das hintere Fahrzeug vorne und das vorne stehende Fahrzeug am Heck beschädigt sei.

 

Anscheinsbeweis für Verschulden des Hintermanns nur bei erwiesenem Auffahrunfall

Ein Beweis des ersten Anscheins für ein Verschulden des Hintermanns existiere allerdings im Falle eines Auffahrunfalls. Ein solcher sei vorliegend aber gerade nicht erwiesen, da die Porschefahrerin eine ganz andere Darstellung abgebe. Diese sei auch nicht völlig unplausibel, zumal der vom Gericht hinzugezogene Sachverständige aus dem Schadensbild keine Rückschlüsse auf den einen oder anderen Unfallhergang ziehen konnte. Das Gericht ging daher von einem „non-liquet“ aus und sprach der klagenden Porschefahrerin Ersatz der Hälfte des an ihrem Fahrzeug entstanden Schadens zu.

(OLG Hamm, Urteil v 15.04.2010, 6 U 205/09).

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