30.12.2011 | allg. Zivilrecht

Auffahrunfall der besonderen Art: Haftung bei Sturz im Skikurs

In dem vom Oberlandesgericht München zu entscheidenden Haftungsfall ging das Gericht davon aus, dass derjenige, der bei einem Skikurs auf einen vor ihm fahrenden Kursteilnehmer auffährt, so dass dieser stürzt und sich verletzt, für diesen Unfall in vollem Umfang haftet.

Auffahrunfall im Schnee

Während eines gemeinsamen Skikurses überquerte die Klägerin nach Abschluss einer von der Skilehrerin vorgegebenen Übung die Skipiste, um den vorgegebenen Anhaltspunkt ihrer Gruppe zu erreichen. Der Beklagte, der im Begriff war, die gleiche Übung zu absolvieren, fuhr auf die sehr langsam fahrende Klägerin auf. Diese stürzte und verletzte sich schwer.

 

Volle Haftung

Die volle Haftung des Beklagten für diesen Unfall begründete das Gericht mit dessen Verstoß gegen die FIS-Regel Nr. 3. Danach muss der von hinten kommende Skifahrer seine Fahrspur so wählen, dass ein vorausfahrender Dritter nicht gefährdet wird. Es gelte der Grundsatz, dass ein vorausfahrender Skifahrer gegenüber einem von hinten kommenden Skifahrer uneingeschränkt Vorfahrt habe. Dabei sei auch ein Not-Sturz zumutbar, wenn ein Zusammenstoß auf andere Weise nicht verhindert werden kann.

  • Ein Mitverschulden der Klägerin hat das Gericht nicht angenommen, da ihr nach Lage des Sachverhaltes kein Regelverstoß vorzuwerfen war.
  • Außerdem führte das Gericht aus, dass ein Teilnehmer eines Skikurses gegenüber den anderen Teilnehmern nicht haftungsprivilegiert sei.

(Oberlandesgericht München, Urteil v. 19.1.2011, 20 U 4661).

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