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Arzthaftung: Trotz Krebsverdacht nicht auf Vorsorge gedrängt - kein Schmerzensgeld vom Arzt

Keine überzogene Fürsorgepflicht des Arztes - auch nicht bei Krebsverdacht: Ein Arzt ist nicht verpflichtet, eine Patientin an die Wahrnehmung anstehender Vorsorgeuntersuchungen zu erinnern. Führt die unterbliebene Untersuchung zu schwerwiegenden Krankheitsfolgen, besteht kein Schmerzensgeldanspruch.

Muss der Arzt bei Krebsverdacht Einhaltung von Vorsorgeuntersuchungen über wachen?

Nein, meint das OLG Koblenz. Es sei überzogen, einem Arzt die Fürsorge für die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen aufzuerlegen.

  • Das gelte auch dann, wenn ein konkreter Verdacht auf eine Erkrankung bestehe.
  • Das Gericht hob mit seinem Urteil eine Entscheidung des Landgerichts Trier auf und wies die Klage einer Patientin ab.

 

LG Trier hatte noch Schmerzensgeld zuerkannt

Die Klägerin hatte gegen ihre Frauenärztin Schmerzensgeld in Höhe von 150 000 Euro geltend gemacht.

Sie hielt ihr vor, nach einem ersten Verdacht auf eine Krebserkrankung (Tumorverdacht und das Erfordernis einer Nachkontrolle) nicht hinreichend auf weitere Vorsorgeuntersuchungen gedrängt zu haben. Bei rechtzeitiger Befunderhebung wäre eine Streuung des Krebses vermieden worden.

 

Der Vorwurf der Patientin

Die Ärztin habe keine Punktion bzw. zytologische Abklärung vorgenommen oder veranlasst und habe sie keinen Konsilarius hinzugezogen.

Weder habe sie ihr eine Wiedervorstellung empfohlen, noch seien konkrete Termine vereinbart oder sie an eine Terminvereinbarung erinnert worden.

 

Klägerin zur notwendigen Kontrolle einbestellt

Die Ärztin führte aus, sie habe sorgfältig alle differenzialdiagnostischen Erwägungen angestellt und die Klägerin zur notwendigen Kontrolle einbestellt.

Dabei habe sie der Patientin auch mitgeteilt, dass der Befund noch unklar sei und es zeitnah weiterer Untersuchungen bedürfe. Dass die Klägerin nicht bzw. erst 15 Monate später zur Nachkontrolle erschienen sei, habe die Patientin selbst zu verantworten.

  • Das Landgericht sah darin eine Pflichtverletzung der Ärztin
  • und sprach der Klägerin ein Schmerzensgeld von 30 000 Euro zu.

Die Berufung der Ärztin hatte aber Erfolg.

 

Nicht des Patienten Hüter: genügt, wenn Arzt auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hinweist.

Die Richter fanden, es genüge, wenn ein Arzt auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hinweise. Es sei dann Sache des Patienten, ob, wann und bei wem er die Untersuchungen vornehmen lasse.

Eine Nachfrage des bisher behandelnden Arztes könne einen Patienten sogar in Erklärungsnot bringen, wenn er sich beispielsweise für einen anderen Arzt entschieden habe.

(OLG Koblenz, Urteil v. 26.6.2010, 5 U 186/10).

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